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Lösungen für Arbeitsmarktintegration: Stiftung Brändi

Das Jahresmotto 2021 der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ ist „Lösungen“. Im Rahmen der dritten IHZ-Lösungswoche 2021 dreht sich diese Woche alles um „Lösungen für Arbeitsmarktintegration“. Dabei stehen drei Zentralschweizer Organisationen im Zentrum, welche zur beruflichen Integration und Inklusion von Langzeit-Arbeitslosen, Menschen mit Behinderung oder einer psychischen Beeinträchtigung beitragen. Die IHZ hat fünf Persönlichkeiten, die diese Organisationen prägen, zum Interview getroffen.

Severine Binzegger und Roland Schuler, Stiftung Brändi

Interview mit Severine Binzegger, Lernende Coop Bau & Hobby Stans

 

Frau Binzegger, stellen Sie sich bitte kurz vor.
Ich bin Severine Binzegger und arbeite im Coop Bau & Hobby in Stans. Ich absolviere mein erstes Lehrjahr als Detailhandelsangestellte.


Nach einer einjährigen Vorlehre, absolvieren Sie aktuell bei Coop Bau & Hobby in Stans eine zweijährige Lehre als Detailhandelsassistentin. Was bedeutet Ihnen diese Ausbildungsmöglichkeit?
Ich schätze unser Team. Alle sind sehr hilfsbereit. Es ist immer jemand für mich da. Ausserdem schätze ich, dass ich hier die Lehre absolvieren darf.


Was macht Ihnen am meisten Spass an der täglichen Arbeit?
Am meisten Spass macht es, unsere Kunden zu bedienen und ihre Wünsche bestmöglich zu erfüllen.

 

Während ihrer einjährigen Vorlehre haben Sie die hauseigene Berufsschule der Stiftung Brändi besucht. Was war besonders wertvoll daran für Sie persönlich?
Ich konnte durch das Praktikum bei einem Einrichtungshaus sehr viel lernen und daran «wachsen». Die Berufsschule der Stiftung Brändi half mir, schulische Lücken aufzuholen.

 

Welche Situationen/Tätigkeiten im beruflichen Alltag waren besonders herausfordernd für Sie und wie konnte Sie die Stiftung Brändi dabei unterstützen?
Für mich war es anfangs schwer, weil ich wusste, was ich konnte, jedoch meine Leistung nicht abrufen konnte.


Aktuell leben Sie in einer WG in Emmenbrücke – selbstständig, aber trotzdem noch begleitet durch die Stiftung Brändi. Wie darf man sich diese Wohnsituation vorstellen?
Ich wohne in einer WG mit drei Jungs. Wir erhalten tägliche Betreuung ausser am Dienstag. Unsere Betreuung unterstützt uns bei alltäglichen Sachen wie kochen, im Haushalt und auch bei den Hausaufgaben.


Abschliessend, Sie haben mit Quidditch, dem Spiel aus den Harry-Potter-Bücher, eine Leidenschaft für sich entdeckt! Um was geht es genau und was bereitet Ihnen am meisten Freude dabei?
Mir bereitet es am meisten Freude, auf sehr vieles gleichzeitig achten zu müssen: Wo ist mein Team, wo ist der Keeper, wo ist der Seeker, die Quaffel und die Klatscher. Wo sind die gegnerischen Beater. Im Spiel geht es darum, Punkte zu sammeln mit Toren und schlussendlich den Schnatz (eine Art Socke mit Tennisball) zu fangen, welcher an einer Person baumelt. Meine Aufgabe ist es, mit den Klatschern die Gegner abzuschiessen.

 

Interview mit Roland Schuler, Job Coach bei der Stiftung Brändi

 

Herr Schuler, stellen Sie sich bitte kurz vor.
Roland Schuler, ich arbeite als Job Coach in der Stiftung Brändi. Seit knapp zwei Jahren begleite ich Severine Binzegger auf ihrem Ausbildungsweg.

 

Sie sind Job Coach der Stiftung Brändi. Worin besteht Ihre Hauptaufgabe?
Als Job Coach unterstütze ich die Jugendlichen in ihrer Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt. Die Stiftung Brändi engagiert sich in diesem Bereich seit Jahren mit grossem Erfolg. Es werden Lernende unterstützt, die ihre Ausbildung in einem externen Verbundbetrieb absolvieren. Zusammen mit dem Lernenden suchen wir eine Lehrstelle. Die Betriebe vermitteln das praktische Berufswissen, die Berufsschule das Fach- und Allgemeinwissen. In der internen Berufsschule der Stiftung Brändi werden die Fächer der Berufsschule vertieft. Als Job Coach übernehme ich eine Drehscheibenfunktion. Ich vermittle zwischen Lehrmeister, Lernenden, Berufsschule, Eltern, Psychologen und Invalidenversicherung IV.

 

Severine absolviert eine zweijährige Lehre als Detailhandelsassistentin. Woran arbeiten sie mit Severine insbesondere?
Beim Start in ihr Berufsleben werden die Jugendlichen in verschiedenen Bereichen stark gefordert. Severine bringt bei den regelmässigen Coaching-Gesprächen ihre Schwierigkeiten und Problematiken im Gespräch mit ein. Im Gespräch begegne ich Severine auf Augenhöhe. Ab und zu muss ich Severine abholen und zurück auf ihren Ausbildungsweg führen. Das Ziel ist dabei, die positiven Aspekte aus den Problematiken zu ziehen, Severine weiter zu ermutigen und so Schritt um Schritt dem gesteckten Ziel näherkommen.  

 

Auch für die Arbeitgebenden sind Sie als Job Coach wichtiger Ansprechpartner. Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Severine, dem Arbeitgeber Coop Bau & Hobby und Ihnen vorstellen?
Ich biete mich als Drehscheibe an, will die Fäden zusammenhalten sowie den Überblick behalten. Ich unterstütze bei Fragen Schwierigkeiten und nehme an den jeweiligen Semestergesprächen teil.

 

Sie kümmern sich unter anderem um die Schule und die Wohnsituation von Severine. Ist es diese Entlastung, welche Arbeitgebende ganz besonders an Ihrer Arbeit schätzen? Welche Rückmeldungen erhalten Sie seitens der Unternehmen?
Laut Rückmeldungen werden die Unternehmen gut betreut, entlastet und es gibt Ihnen Sicherheit. Wenn sich der Partnerbetrieb auch noch um die Schule oder die Wohnsituation kümmern müssten, wäre der Aufwand für sie zu gross. Die Zusammenarbeit wird positiv bewertet, weil alles unkompliziert und unbürokratisch abläuft. Dies ist den Partnerbetrieben wichtig: Oftmals ist auch wenig Administratives nötig. Im Zentrum steht immer der Mensch. Wenn die Jugendlichen etwas erreichen wollen, sollen sie auch eine Chance bekommen. Das sind generell Rückmeldungen von Partnerbetrieben.

 

Hand aufs Herz, was ist das Bereicherndste an ihrem Job und inwiefern gibt es auch Momente, an denen Sie an Ihre Grenzen stossen?
Sich an ihren Fortschritten, mögen diese Schritte auch klein sein, zu erfreuen. Insbesondere zu erfahren, wie die Jugendlichen ihre Lösungen selber erarbeiten, weiter an sich glauben und mutig ihren Weg gehen. Herausfordernd in der heutigen hektischen Zeit ist, dass ich die Ruhe und Geduld beibehalte.

 

Als Job Coach begleiten sie Jugendliche der Stiftung Brändi in die Berufswelt. Wie herausfordernd ist es, Unternehmen zu finden, die einen Schnupper- oder Ausbildungsplatz anbieten?
Das Finden eines Schnupperplatzes ist generell gut möglich. Ein freier Arbeitsplatz ist branchenabhängig. Dabei kann eine gute Vernetzung, eine offene, ehrliche und erfolgreiche Zusammenarbeit unterstützend und erfolgsversprechend sein. 

 

Was gebe Sie Unternehmen mit auf den Weg, welche allenfalls zögern oder hinsichtlich einer Zusammenarbeit unsicher sind?
Ich begegne den Unternehmen auf eine offene und ehrliche Art. Ich nehme sie und ihre Anliegen ernst und schenke ihnen dabei mein Vertrauen. Zusätzlich kann auch der Partnerbetrieb bei problematischen und schwierigen Situationen auf meine Unterstützung zählen.

 

Informationen zur Stiftung Brändi:


Als sozial und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen fördert die Stiftung Brändi die Inklusion von Menschen mit Behinderung in Arbeit, Gesellschaft und Kultur. In der Stiftung arbeiten vorwiegend Menschen mit geistiger Behinderung oder mit psychischer Beeinträchtigung. Seit ihrer Gründung vor über 50 Jahren bietet sie mittlerweile 1100 geschützte Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie 340 Wohnmöglichkeiten. Sie gehört zu den grössten Arbeitgeberinnen der Zentralschweiz. Mit neun produzierenden Unternehmen und sechs Wohnhäusern ist sie an den Standorten Horw, Kriens, Luzern, Littau, Willisau, Sursee, Hochdorf und Baldegg vertreten. Neben ihrem Kernauftrag, der Betreuung und Ausbildung von Menschen mit Behinderung, bietet sie industrielle Dienstleistungen in 14 Branchen. Drei Restaurants, zwei Gärtnereien und viele Eigenprodukte runden ihr Angebot ab. Die Stiftung Brändi finanziert sich zu über 50 % selber.

 

Kernkompetenz Berufliche Integration
Die Stiftung Brändi vermittelt Menschen mit Behinderung eine zweckmässige, angepasste Ausbildung oder Umschulung in 14 Berufsfeldern. Die meisten Ausbildungen bietet sie auf den drei Niveaus Praktische Ausbildung PrA INSOS, Grundbildung mit Eidgenössischem Berufsattest EBA und Grundbildung mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ an.

 

Supported Education als Chance für Ihr Unternehmen
Supported Education bedeutet unterstützte Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt. Die Job Coaches der Stiftung Brändi unterstützen als Bindeglied nicht nur die Lernenden, sondern auch Sie als Ausbildungsbetrieb. Die Job Coaches halten alle Fäden zusammen, nehmen Bedürfnisse entgegen und vermitteln zwischen allen Beteiligten. In anspruchsvollen Situationen entlasten sie und geben Sicherheit. Bestehende Ausbildungspartner erleben die Zusammenarbeit unbürokratisch und positiv. Sie nehmen ihr soziales Engagement auch als wertvolle Bereicherung war. Sie möchten mehr erfahren? Lesen Sie den Artikel über Samuel Banz, der bei der Imbach Logistik seine Logistiker-Lehre absolviert.