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Die Schweiz wäre ohne Alfred Escher eine andere.

Alfred Escher. Ein Name, der erst vor rund 40 Jahren wieder "aus der Versenkung" aufstieg. Zu verdanken ist dies dem Historiker und Publizist Joseph Jung, der zu dieser Zeit seine Forschungen begann - und am IHZ-Wirtschaftslunch gut 70 Personen während eineinhalb Stunden mit seinen spannenden Ausführungen in seinen Bann zog. Ein eindrückliches und überaus interessantes Erlebnis. In dem Saal notabene, in dem 1882 die Eröffnungsfeier zum Gotthardtunnel stattfand.

Joseph Jung startete seine Ausführungen in der Schweiz vor 1848 – und zeichnete ein düsteres Bild der damaligen Republik, umgeben von einflussreichen Monarchien. Die Schweiz aber galt als rückständig, hatte kaum Verkehrsverbindungen und somit auch keinen Tourismus. Dass es auf der Rigi mehr Hotelbetten gab als in der Stadt Luzern illustriert das auf eindrückliche Art und Weise.


Später dann änderte sich das quasi über Nacht, dank dem – nach Joseph Jung wichtigsten überhaupt je gefällten – Entscheid der Politik, den Eisenbahnbau nicht dem Staat, sondern privaten Unternehmen zu überlassen. Ein Wettlauf der Konkurrenten kam in Gange und bereits wenige Jahre später verfügte die Schweiz über eines der dichtesten Bahnnetze der Welt. Massgebend an dieser Entscheidung beteiligt war auch Alfred Escher selber, der schon als sehr junger Mensch sowohl Grossrat, Regierungsrat, Nationalrat, Unternehmer und Präsident verschiedener wichtiger Unternehmen war. Mit den heutigen Governance-Richtlinien wäre dies ein nicht mehr vorstellbarer Zustand, damals der Schlüssel für die Entwicklung der Schweiz zu dem Land, das es heute ist. Nach 1848 öffnete sich für zehn bis 15 Jahre ein «liberales Fenster» in der Schweiz, in welchem vieles entstehen konnte, was unser Land bis heute prägt und später nicht mehr möglich gewesen wäre.


Die Schweiz war zu dieser Zeit bei weitem keine direkte Demokratie, viel mehr wurde sie geführt von Grosskapitalisten (nicht nur Kapitalisten…), die durch ihre liberale Haltung die Schweiz voranbringen wollten. Escher war die treibende Kraft, hatte ein enormes Netzwerk, und dank der Kumulation der Mandate auch grosse Macht. Wichtig war ihm, dass die Schweiz sich nicht abhängig machte von anderen Staaten. Dies führte dazu, dass er das Polytechnikum (spätere ETH) gründete, um die Ingenieure und weitere Spezialisten im eigenen Land ausbilden zu können. Er gründete die Kreditanstalt (die heutige Credit Suisse), um auch den grossen Kapitalbedarf in der aufstrebenden Schweizer Wirtschaft selber decken zu können, ebenso wie die Swiss Life und Swiss Re, um mögliche Risiken und Unfälle abzusichern.


Beim Bau der Gotthardroute schliesslich, wurde er zum «Bauernopfer». Längst waren die Parlamentarier nicht mehr die liberalen Denker wie nach 1848, viel mehr ging es den Politikern um andere Themen als den Pioniergeist, viele wollten mitreden – und Escher wurde «geopfert», um das Gotthardprojekt am Ende nicht scheitern lassen zu müssen. Ein etwas unrühmliches Ende einer Erfolgsgeschichte einer herausragenden Persönlichkeit – deren Spuren erst vor wenigen Jahrzehnten wieder neu erforscht wurden. Dass Alfred Escher aber auch ein Mann mit Ecken und Kanten war belegt das kleine Detail, dass ein Zug erst fuhr, wenn er – der Präsident – eingestiegen war, unabhängig vom Fahrplan…


Joseph Jungs Ausführungen waren so packend und lebendig, dass man ihm noch lange hätte zuhören können. Ein eindrückliches Referat, das mit einmalig langem Applaus belohnt wurde.
Beim anschliessenden Stehlunch wurde rege auf den Spuren von Alfred Escher weiterdiskutiert und das Netzwerk gepflegt.