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«zentralinfo»: Risiken - Kontrolle oder Vertrauen?

«Nun sag, wie hast du’s mit dem Risiko?» So lautet die Gretchenfrage an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Sind Sie risikofreudig oder eher zurückhaltend bei Risikoabwägungen?

Wir alle haben täglich mit Risiken zu tun. Dabei wägen wir ab, wie wahrscheinlich ein Ereignis eintritt und wie schwer uns dieses Ereignis schaden kann. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in einen Unfall verwickelt werden, wenn Sie bei einer roten Ampel die Strasse überqueren? Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie gesundheitliche Probleme haben, wenn Sie einen Pilz essen, den Sie nicht kennen? Wagen Sie es oder eher nicht?

 

Mit Risiken sind auch Unternehmen täglich konfrontiert. Erfolgreiche Unternehmen riskieren kalkuliert, um ihr nachhaltiges Überleben zu sichern. Und auch der Staat identifiziert Risiken wie Pandemien, Naturgefahren oder Blackouts in der Stromversorgung, um sich auf mögliche Szenarien vorzubereiten und die Bürger so weit wie möglich zu schützen.

 

Während die alltäglichen, individuellen Risikoabwägungen beinahe unbewusst ablaufen, sind wir in unserer komplexen Gesellschaft kaum in der Lage, in den zahlreichen Fachbereichen und Technologien oft neuartige Risiken einzuschätzen. Hier fehlt uns schlicht das notwendige Wissen und die relevanten Informationen. Wie funktioniert Gentechnologie genau? Wie verhält es sich mit der Nuklearenergie? Wie entwickelt sich die Halbleitertechnologie? Was sind Quantencomputer?

 

Da wir diese Fragen und die damit verbundenen Risiken selber nicht sinnvoll abschätzen können, hat das Vertrauen in Fachleute und andere Akteure mit Fachwissen in unserer Gesellschaft eine entscheidende Bedeutung. So haben zahlreiche Studien gezeigt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Grad an Vertrauen und den wahrgenommenen Risiken und dem Nutzen. Das heisst, je grösser das Vertrauen in die Wirtschaft oder die Behörden ist, desto geringer erscheint das Risiko und desto grösser ist der wahrgenommene Nutzen eines Entscheides.

 

Vertrauen ist deshalb in einer zunehmend komplexen Gesellschaft die Währung der Zukunft. Ausgerechnet jenes Gut, das man sich über Jahre hinweg aufbauen muss und das unter Umständen in wenigen Augenblicken verspielt werden kann. Vertrauen ist demnach kostbar. Es sorgt dafür, dass wir auch in Zukunft bereit sind, Risiken einzugehen. Denn Risiken lassen sich nicht in beliebiger Tiefe kontrollieren. Wenn wir alle Risiken beherrschen wollen, wird dies nicht nur unsere Freiheit massiv beschränken, sondern auch Innovation, Forschungsdrang und Unternehmertum unterbinden. Denn Leben und Unternehmertum sind ohne Risiko nicht möglich. Deshalb ist auch eine zuversichtliche Grundhaltung angebracht. Falls wir auch in Zukunft gemeinsam Risiken eingehen und etwas unternehmen wollen: Seien Sie vertrauenswürdig und trauen Sie sich, zu vertrauen!

 

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre.
Adrian Derungs, Direktor IHZ