12. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Opening Plenary

Netzwerke – masslos überschätzt oder Erfolgsfaktor für Wirtschaft und Gesellschaft?

Netzwerke in der Praxis – ein Geben und Nehmen

Im Opening Plenary diskutieren Simone Wyss Fedele und Thomas Borer über den Nutzen von Netzwerken auf persönlicher Ebene, wie Netzwerke überhaupt funktionieren und die Zukunft der Schweiz in einem konfliktgeprägten Umfeld.

Kann man auf dem Golfplatz gut netzwerken? Thomas Borer, ehemaliger Schweizer Diplomat und heute Managing Partner in seinem Unternehmen Dr. Borer Consulting, winkt ab. Er ist der Meinung, dass man beim Golfen leider nur selten zum Netzwerken kommt. Man sei zu sehr auf sich selbst fokussiert. Der Sport lehrt den ehemaligen Diplomaten jedoch Demut und er ist überzeugt, man lerne viel über eine Persönlichkeit, wenn man sie beim Golfspiel beobachte. 

 

Simone Wyss Fedele, CEO von Switzerland Global Enterprise, sieht dies ähnlich. Auch sie steht in ihrer Freizeit regelmässig auf dem Golfplatz. Grund dafür ist allerdings nicht das Networking: «Golf ist ein ineffektiver Sport, denn eine Runde dauert mehrere Stunden.» Sie spielt Golf, weil es ihr Spass macht. «Und weil es die einzige Möglichkeit ist, meinen Mann zu sehen», fügt sie schmunzelnd an.

 

Wer Informationen hat, hat die Macht
Was bringt euch euer Netzwerk? Auf diese Frage antworten zirka sechzig Prozent der Teilnehmenden, dass sie «etwas Neues lernen». Für Simone Wyss Fedele steht der Nutzen des Netzwerks nicht im Vordergrund. Essenziell ist für sie, dass sie beim Netzwerken Spass hat und eine persönliche Verbindung mit dem Gegenüber herstellen kann. Erst dadurch werden zukünftige Projekte möglich. 

 

Die beiden Gesprächsteilnehmer sind sich einig, dass der informelle Informationsaustausch sehr wertvoll ist. Das Zwischenmenschliche darf aber nie fehlen. Die CEO von Switzerland Global Enterprise betont, wie wichtig Sympathie beim Networking sei. Erst wenn diese hergestellt ist, wird einander geholfen. 

 

Thomas Borer geht jeweils unvoreingenommen auf die unterschiedlichsten Menschen zu. Der Diplomat lernt gerne neue Menschen kennen und erkundigt sich nach persönlichen Verbindungen. Netzwerken soll laut ihm nicht mit einem bestimmten Ziel im Hinterkopf verfolgt werden.

 

Networking ist Türöffner für viele Dinge
Rund zwei Drittel des Publikums haben schon einen Job dank ihrem Netzwerk erhalten – so auch Simone Wyss Fedele. Sie habe letztlich alle ihre Jobs ihrem Netzwerk zu verdanken, resümiert die CEO. Meist sei das Netzwerk der erste Türoffner, anschliessend muss man sich und die eigene Kompetenz in Projekten beweisen. 

 

Gefragt nach seinem grössten Netzwerk-Erfolg erwähnt Thomas Borer einen Kunden, der an einer Ausschreibung für ein Milliardenprojekt in den USA teilnehmen wollte. Borer konnte erwirken, dass die Firma zur Ausschreibung eingeladen wurde. Schliesslich gewann das Unternehmen seines Klienten gar den grossen Auftrag.

 

Tipps für erfolgreiches Netzwerken
You always meet twice, man trifft sich immer zwei Mal im Leben, lautet das Networking-Credo von Simone Wyss Fedele. Die Geschäftsführerin spielte früher Basketball und ging dabei mit ihren Gegnerinnen durchaus hart ins Gefecht. Einige Zeit später traf sie auf eine ehemalige Gegenspielerin und heutige COO. «Wir schmunzelten im ersten Augenblick, aber dann ging es schon», erzählt Wyss Fedele. Man wisse nie, welcher Kontakt einem hilfreich sein wird in Zukunft. Wer erfolgreich ein Netzwerk aufgebaut hat, muss dieses auch pflegen. Und je grösser das Netzwerk, umso aufwendiger die Pflege. Thomas Borer trifft auch heute noch jedes Jahr ehemalige Arbeits- oder Studienkollegen in Washington, D.C.. Im digitalen Zeitalter ist die Netzwerkpflege dank LinkedIn und Co. einfacher geworden, doch am Ende sind es immer noch physische Treffen, Mittagessen und gemeinsame Erlebnisse, die verbinden. Simone Wyss Fedele empfiehlt dem Publikum die wichtigsten fünfzig Kontakte mindestens einmal im Jahr zu treffen. Das heisst: Prioritäten setzen, denn mehr ist nicht immer besser. «Nicht alle Beziehungen muss man pflegen», so Simone Wyss Fedele.

 

Der Schweizer Wirtschaft stehen turbulente Zeiten bevor
Zum Ende der Diskussion gehen die Panelisten auf die aktuelle wirtschaftliche Lage ein. Die Schweiz befinde sich aufgrund der hohen Inflationsraten im Ausland, der Energiekrise und des Ukrainekrieges in einem schwierigen Umfeld. Thomas Borer ergänzt die Liste der aktuellen Herausforderungen um zwei weitere Themen: die anhaltende Lockdown-Strategie in China und das Risiko einer Eskalation zwischen China und den USA im Taiwan-Konflikt. Simone Wyss Fedele beobachtet in ihren Gesprächen mit Kunden und Partnern, wie sich die Firmen auf die nächste Krise vorbereiten: «Diversifikation ist für Unternehmen momentan enorm wichtig.» Denn global wächst die Wirtschaft nach wie vor und wenn ein Unternehmen breit aufgestellt ist, kann es lokale Schocks besser verkraften.

Susanne Giger, Simone Wyss Fedele und Thomas Borer

 

Key Take-Away

  • Netzwerke sollten nicht bloss zweckmässig, sondern aus echtem Interesse am Gegenüber aufgebaut werden.
  • Sympathie und eine positive Chemie zwischen den Playern sind entscheidend, um ein Netzwerk langfristig aufrechterhalten zu können.
  • Ist das Netzwerk einmal aufgebaut, muss es regelmässig gepflegt werden. Einmal im Jahr sollten Sie die fünfzig wichtigsten Kontakte persönlich treffen.
  • You always meet twice – deshalb sollten Sie beim Networking langfristig denken. Man weiss nie, welcher Kontakt in Zukunft hilfreich sein kann.
  • Diversifikation ist für Unternehmen und ihre Führungskräfte aufgrund der aktuell herausfordernden Umstände essenziell.