12. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Workshop «Innovation dank Netzwerken»

Wunschdenken oder Fortschrittsmotor?

Wie können Netzwerke zwischen Organisationen erfolgreich funktionieren?

Schweizer Unternehmen sehen sich im aktuellen Marktumfeld mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Im Workshop diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Praxis, wie Netzwerke Innovationen beschleunigen können, wo mögliche Stolpersteine liegen und wie sich die Zentralschweiz als Standort für innovative Netzwerke positionieren kann.

 

Uta Jüttner, Professorin an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und Moderatorin des Workshops, eröffnet die Diskussion mit der Frage: «Stimmt es tatsächlich, dass beim Netzwerken eins plus eins nicht zwei ergibt, sondern drei?» Manchmal sei man auch mit zwei als Ergebnis schon ganz zufrieden, sagt Florian Strasser, CEO und VRP der GWF MessSysteme AG, mit einem Schmunzeln. Jede Kooperation berge auch verschiedene Risiken, seien es kommerzielle, rechtliche, technologische oder kulturelle. Wenn man sich entscheidet, mit einem Entwicklungspartner zusammenzuarbeiten, sieht der Unternehmer das Hauptrisiko in der Kultur. «Die Kooperationspartner müssen eine ähnliche Organisationskultur pflegen, sonst matcht es nicht.»

 

Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Kooperation in Netzwerken
Bedeutende Technologieinnovationen von Unternehmen lassen sich häufig auf Partnerschaften mit externen Playern zurückführen. Früher rekrutierten die Unternehmen junge Talente von der Hochschule und steckten sie in Projektgruppen. Stefan Müller, Chief Technology Officer der maxon group, macht deutlich, dass man mit diesem Ansatz heute zu langsam unterwegs wäre. Auch KMU müssen den Spagat machen zwischen mehreren Projekten, die parallel laufen, und dem Risikomanagement. Wichtig ist gemäss Stefan Müller, dass das Prozessmodell einer Unternehmung sauber abgebildet ist. Überdies betont Müller, wie essenziell die Suche nach den richtigen Mitarbeitenden ist. Wenn die richtigen Leute am richtigen Ort eingesetzt werden und auch noch Spass am Innovationsprozess haben, kann Grossartiges entstehen. Katrin Reschwamm, Forschungs - & Projektmanagerin bei EU GrantsAccess an der ETH Zürich ergänzt, dass die persönliche Ebene in Kooperationen entscheidend ist. Deshalb sind soziale Events nötig, damit die Leute zusammenkommen und sich vernetzen können.

 

Reichen Zentralschweizer Netzwerke?
Gemäss Christoph Lang, Geschäftsführer von ITZ InnovationsTransfer Zentralschweiz, bietet die Zentralschweiz extrem spannende Technologien. Ausserdem gibt es hier verschiedene Plattformen für den Wissensaustausch, wie zum Beispiel die Hochschulen. Was der ITZ-Geschäftsführer in der Region hingegen vermisst, ist der Mut, auch grössere Projekte gemeinsam anzugehen. Innovation wird allzu oft mit einer disruptiven Veränderung gleichgesetzt. «Für kleine KMU und Traditionsbetriebe muss der Innovationsbegriff nahbar gemacht werden», so Florian Strasser. Christoph Lang fügt an, dass auch kleine Verbesserungen und Weiterentwicklungen als Innovationen bezeichnet werden dürfen, da auch diese Optimierungen einen wichtigen Unterschied machen könnten. 

 

Entscheidend für die erfolgreiche Zusammenarbeit in Innovationsnetzwerken und -partnerschaften ist ein gemeinsames Interesse bzw. ein gemeinsamer Purpose. Laut Florian Strasser sollte dieser Purpose immer von allen Beteiligten gemeinsam ausgearbeitet werden. Aber reicht der Purpose alleine als Organisations- und Steuerungsprinzip eines Innovationsnetzwerks oder braucht es zusätzliche Strukturen? Die Panelisten sind sich einig, dass klare Strukturen erfolgsentscheidend sind für einen funktionierenden Innovationsprozess. Interessanterweise sind hier die vermeintlich wenig organisierten Start-ups gegenüber traditionellen Unternehmen häufig im Vorteil.

 

Netzwerke bewusster nutzen und managen
Katrin Reschwamm berichtet vom Dilemma der Fördergelder: Viele geförderte Projekte werden nach der Förderperiode aufgegeben und nicht mehr weitergeführt – da ist Vorsicht geboten. Eine erfolgreiche Innovation oder Produktentwicklung braucht Kreativität, Durchhaltewillen und einen langen Atem. 

 

In einem Punkt sind sich die Experten auf dem Panel einig: Das Netzwerk wird heutzutage häufig noch zu wenig bewusst gemanagt. Unternehmen sollten im Innovationsprozess noch wesentlich bewusster abwägen und steuern, wie sie ihr Netzwerk nutzen und die Zusammenarbeit gestalten wollen.

Uta Jüttner, Florian Strasser, Katrin Reschwamm, Stefan Müller, Christoph Lang

 

Key Take-Away

  • Wenn etwas Grosses entstehen soll, muss die Chemie stimmen. Damit Innovationen in Netzwerken entstehen, muss es auch auf persönlicher Ebene passen.
  • Dank Netzwerken sind Unternehmen schneller und innovativer unterwegs, da sie sich über das Netzwerk extern Technologien beschaffen können, die in-house erst langfristig aufgebaut werden müssten.
  • Zentralschweizer Unternehmen und Institutionen haben spannende Technologien zu bieten. Sie dürfen ruhig mehr Mut zeigen, um gemeinsam grössere Projekte anzugehen.
  • Innerhalb eines Innovationsnetzwerks erhöht ein gemeinsam erarbeiteter Purpose die Erfolgschancen für die Zusammenarbeit. Der Purpose dient allen Beteiligten als gemeinsame Orientierung und Referenz.