Fachkräftemangel-Index 2025: Ärzte und Elektriker weiterhin am stärksten gesucht

Fachkräftemangel-Index 2025: Ärzte und Elektriker weiterhin am stärksten gesucht

In der Zentralschweiz besteht bei Ärzten, Elektroinstallateuren und -mechanikern sowie bei Telekommunikations- und Rundfunktechnikern der grösste Fachkräftemangel. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich hat die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz auch in diesem Jahr die Rekrutierungsschwierigkeiten von 102 Berufen verglichen.

Die ersten beiden Plätze der Zentralschweizer Fachkräftemangelrangliste haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Ärztinnen und Ärzte sind sogar im vierten Jahr in Folge auf dem ersten Rang. Die wenigen Ärzte, die bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in einem Zentralschweizer Kanton gemeldet sind, finden durchschnittlich nach 3 Monaten und einer Woche wieder einen Job. Das ist der tiefste Wert aller 102 Berufe. Durchschnittlich dauert eine Vermittlung fast ein halbes Jahr.

Auf dem zweiten Platz liegen unverändert Elektroinstallateure und -mechaniker. Neu auf dem dritten Platz liegen Telekomunikations- und Rundfunktechniker. Seit 2022 hat sich der Fachkräftemangel in diesem Beruf stark und stetig verschärft. Bei der Erhebung im Jahr 2022 lag die Berufsgruppe noch auf Platz 19, im Jahr 2024 bereits auf Platz 7. Mit lediglich 0,09 Prozent Beschäftigungsanteil handelt es sich zwar um eine sehr kleine Berufsgruppe, die Rekrutierung ist aber umso schwieriger. Beispielsweise sind Positionen für dieses Berufsbild durchschnittlich 3 Monate und eine Woche ausgeschrieben. Der Mittelwert aller Berufe liegt bei knapp der Hälfte dieser Zeit. Telekommunikations- und Rundfunktechniker weisen gleichzeitig einen der grössten Unterschiede zur schweizweiten Rangliste auf. Der drittplatzierte Beruf in der Zentralschweiz liegt national auf dem 63. Rang und somit in der zweiten Hälfte der Rangliste. 
 

Bei den übrigen Berufen in den ersten zehn Rängen gibt es nur wenig Veränderungen. Akademische Krankenpflege- und Geburtshilfskräfte belegen wie im letzten Jahr den vierten Platz. Deutlich verschärft hat sich jedoch der Fachkräftemangel bei den nichtakademischen Kolleginnen und Kollegen. Diese Berufsgruppe belegte 2024 noch den 13. Platz, im Jahr 2025 kommt sie auf dem 6. Platz zu liegen. Installateure und Mechaniker für Elektronik und Telekommunikationstechnik (5. Rang) haben im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze verloren, Metallarbeiter, Mechaniker und verwandte Berufe (7. Rang) einen Platz. Die Ränge 9 und 10 belegen wie im letzten Jahr Blechkaltverformer, Baumetallverformer, Former (für Metallguss), Schweisser und verwandte Berufe beziehungsweise Material- und ingenieurtechnische Fachkräfte.

Auf den Plätzen, die am wenigsten vom Fachkräftemangel betroffen sind, liegen Hilfsarbeiter und Hilfskräfte in verschiedenen Branchen. Von den grösseren Berufsgruppen mit einem Beschäftigungsanteil von mehr als drei Prozent ist der Fachkräftemangel bei Verkaufskräften in Handelsgeschäften (Rang 82), allgemeinen Bürokräften (Rang 87) sowie Geschäftsführern und Vorständen (Platz 90) verhältnismässig gering.

Hilfsarbeitskräfte mit grösster Verschärfung
Sonstige Hilfsarbeitskräfte sind gleich 31 Plätze nach vorne gerückt. In der Erhebung im letzten Jahr belegte dieser Beruf mit Platz 93 noch einen der hintersten Ränge. Im Jahr 2025 scheint dieses Berufsbild mit Rang 62 schwieriger zu finden zu sein. Insbesondere die durchschnittliche Dauer der Stellenausschreibung hat sich in diesem Zeitraum von 1,95 Monaten auf 2,63 Monate deutlich verlängert. Mit einem negativen Indexwert und einem Rang deutlich in der zweiten Hälfte der Rangliste ist der Fachkräftemangel im Vergleich zu allen anderen Berufen aber nach wie vor unterdurchschnittlich. Ebenfalls eine grosse Rangverschiebung gab es bei Abfallentsorgungsarbeitern vom Platz 86 auf 72 und bei Führungskräften von Dienstleistungen im Bereich ICT von Platz 74 auf 61. Entschärft hat sich die Situation hingegen bei Ausbaufachkräften sowie bei Schiffs- und Flugzeugführern. Diese Berufsbilder verloren je 16 Plätze von Rang 36 auf 52, beziehungsweise von Rang 65 auf 81.

 

Im Vergleich zur schweizweiten Rangliste sind in der Zentralschweiz ist die Situation bei Präzisionshandwerkern und kunsthandwerklichen Berufe angespannter. Ganze 79 Ränge beträgt der Unterschied dieser Berufsgruppe zwischen der Zentralschweizer und der Schweizer Rangliste. In der Zentralschweiz liegt sie mit Platz 19 im vorderen Fünftel, schweizweit jedoch mit Platz 98 auf den hintersten Plätzen.

Wie bereits erwähnt könnte es sich für Telekommunikations- und Rundfunktechniker aus anderen Regionen der Schweiz lohnen, in die Zentralschweiz zu ziehen. Hier belegt die Berufsgruppe Platz 3 schweizweit Platz 63. Auch für Bediener von Maschinen zur Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln könnte sich das lohnen. In der Zentralschweiz befindet sich das Berufsbild mit relativ niedrigen Qualifikationsanforderungen auf Platz  38 und damit im überdurchschnittlich vom Fachkräftemangel betroffenen Bereich. Schweizweit belegt dieser Beruf Platz 79. 

Trotz trüben Beschäftigungsaussichten keine Entschärfung des Fachkräftemangels
Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Monaten deutlich abgekühlt. Die Arbeitslosenquote hat jüngst mit 3 Prozent auf nationaler Ebene und 2 Prozent in der Zentralschweiz den höchsten Wert seit 2021 erreicht. Im Frühjahr 2025 ist die Quote – auch saisonal bedingt – wieder leicht gesunken. Im langfristigen Vergleich ist die Quote aber nach wie vor unterdurchschnittlich.
Die Anzahl offener Stellen ist seit ihrem Höhepunkt im ersten Halbjahr 2022 tendenziell stark rückläufig. Im Vergleich zum letzten Quartal vor der Corona-Pandemie – dem vierten Quartal 2019 – lag die absolute Zahl offener Stellen im ersten Quartal 2022 in der Zentralschweiz rund 83 Prozent höher. Im Gastgewerbe lag die Anzahl offener Stellen mit einem indexierten Wert von 234 weit mehr als doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Im verarbeitenden Gewerbe wurde der Höhepunkt erst im dritten Quartal 2023 erreicht. In diesem Sektor ist die Zahl offener Stellen aber unter den schweizweiten Durchschnitt aller Branchen gesunken. In der Branche der Herstellung von Metallerzeugnissen, lag gab es im vierten Quartal 2024 sogar weniger offene Stellen als 2019. Lediglich im Bausektor liegt die Zahl deutlich über dem Schweizer Durchschnitt.

Im Dienstleistungssektor liegt die zahl offener Stellen gegenwärtig deutlicher über dem Niveau von 2019 als im Industriesektor. Vor allem in den Branchen Kunst, Unterhaltung und Erholung ist die negative Tendenz nicht ersichtlich. Die Anzahl ausgeschriebener Stellen in der öffentlichen Verwaltung, in Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen liegt deutlich über dem Durchschnitt aller Branchen. Im Finanzbereich ist der Wert deutlich, im Gastgewerbe knapp unterdurchschnittlich. Im Bereich Verkehr und Lagerei sowie in der Information und Kommunikation sind weniger Stellen offen als noch 2019.
 

Die Zahl der Beschäftigter hat gemäss Beschäftigungsstatistik des BFS im März 2025 binnen Jahresfrist in der Zentralschweiz nicht verändert. Im regionalen Industriesektor ist sogar ein Rückgang von 1,4 Prozent verzeichnet worden. 

Gemäss dem Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) sind die Beschäftigungsaussichten für die nächsten drei Monate weiter negativ. Insbesondere in der Industrie und bei den Banken sind die Beschäftigungsaussichten am negativsten. Auch im Detailhandel und im Gastgewerbe erwartet eine Mehrheit der befragten Unternehmen einen Personalabbau.

Trotz der trüben Stimmung am Arbeitsmarkt wird uns der Fachkräftemangel auch in den nächsten Jahren und Jahrzenten noch beschäftigen. In absehbarer Zeit findet eine regelrechte Pensionierungswelle statt, sodass mehr Personen aus dem Arbeitsmarkt austreten als eintreten. Gleichzeitig sinken aufgrund von Teilzeitarbeit die durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitsstunden. Als Reaktion auf den Fachkräftemangel können Unternehmen intern Abläufe und Prozesse automatisieren. Gleichzeitig müssen sie sich auf politischer Ebene für den Abbau übermässiger Bürokratie einsetzen, die wichtige personelle Ressourcen bindet.