
IHZ-Quartalsanalyse Q1/2026: Industrie und Grosshandel bleiben hinter Aufhellung zurück
Die Stimmung in der Zentralschweizer Wirtschaft verbessert sich seit einem Jahr kontinuierlich. Während die Industrie schweizweit deutlich aufholt, bleibt die Lage im regionalen Industriesektor angespannt – ein robustes Gesamtwachstum zeichnet sich dennoch ab.
Es mag überraschen, doch die Stimmung in der Zentralschweizer Wirtschaft verbessert sich seit rund einem Jahr kontinuierlich. Trotz leichter Rückschläge im April, September und Dezember liegt der Geschäftslage-Indikator zu Beginn des ersten Quartals 2026 deutlich über dem Vorjahreswert. Zwar prägen nach wie vor verschiedene Unsicherheiten das wirtschaftliche Umfeld – geopolitische Spannungen, die unberechenbare US-Zollpolitik, wachsender Protektionismus sowie konjunkturelle Schwächen in bedeutenden Exportmärkten. Deren tatsächlicher Effekt auf das regionale Wirtschaftswachstum wird jedoch häufig überschätzt. Die harten Zahlen weisen in vielen Bereichen auf ein moderates, aber robustes Wachstum hin. Schweizweit ist der Aufwärtstrend sogar noch ausgeprägter: Im Januar 2026 erreichte der Geschäftslage-Indikator den höchsten Wert seit April 2023 und näherte sich damit dem Zentralschweizer Niveau an.
Zu den treibenden Kräften auf nationaler Ebene gehört massgeblich auch die Industrie. Der Sektor verzeichnet eine deutliche Aufhellung sowohl im Vergleich zum Vorquartal als auch zum Vorjahr. Schweizweit schätzt gar erstmals seit Mai 2023 eine Mehrheit der Industrieunternehmen die Geschäftslage als gut ein. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf die Chemie- und Pharmaindustrie zurückzuführen, die in der Zentralschweiz weniger stark vertreten ist. Die Geschäftslage in der Zentralschweizer Industrie wird nach wie vor mehrheitlich negativ eingeschätzt und liegt sogar leicht unter dem Vorquartalswert.
Exportorientierte Unternehmen verlieren aufgrund der anhaltenden Frankenaufwertung weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Zudem führen protektionistische Tendenzen zu einem zurückhaltenden und pessimistischeren Ausblick. Diese beschränken sich dabei nicht auf China und die USA, sondern zeigen sich auch in Europa. So plant die EU, per Juni 2026 Einfuhrzölle auf Eisen und Stahl auch gegenüber der Schweiz einzuführen. Erst kürzlich ruderte die italienische Regierung zurück, nachdem sie Maschinenkäufe aus dem EU- und EWR-Raum steuerlich hatte begünstigen wollen.
Auch der Zentralschweizer Grosshandel und der Finanzsektor können mit der landesweiten Aufhellung nicht mithalten. Die Lage im Grosshandel verschlechtert sich im Vergleich zum Vorquartal deutlich – trotz positiver Impulse im konsumnahen Bereich. Industrienahe Grosshandelsunternehmen leiden hingegen stark unter der schwachen Nachfrage. Im Finanzsektor vermelden die Banken eine günstigere Ertragslage. Die in der Zentralschweiz stark vertretene Versicherungsbranche verzeichnet hingegen einen zunehmenden Druck auf die Erträge.
Während der Dienstleistungssektor auf der Stelle tritt, berichten der Detailhandel, das Gastgewerbe und der Bausektor von einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage.
Die Arbeitslosenquote in der Zentralschweiz ist zum Jahreswechsel leicht von 2,2 auf 2,3 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg entspricht dem saisonalen Muster. Die Zentralschweizer Quote liegt nach wie vor deutlich unter dem landesweiten Wert von 3,2 Prozent. Der Kanton Zug weist mit einer Quote von 2,9 Prozent regional den höchsten Wert auf. Binnen Jahresfrist verzeichnet der Kanton Obwalden den stärksten Anstieg: Die Quote kletterte um 20 Prozent – von 1,0 auf 1,2 Prozent. Dennoch weist der Kanton zusammen mit Uri den schweizweit zweittiefsten Wert auf, nur Glarus liegt noch tiefer.
Für Fragen und Anmerkungen:
Yves Spühler | Leiter Wirtschaftspolitik und Ökonomie
Datengrundlage und Lesehilfe zu den Grafiken
Geschäftslageindikator:
Die in den Grafiken zur Geschäftslage (Grafik 1 und 2) verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Geschäftslageindikator» der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihre Gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen. Sie können die Lage mit «gut», «befriedigend» oder «schlecht» bezeichnen. Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten «gut» und «schlecht». Die Grafik zeigt saisonbereinigte Werte der Zentralschweiz über die abgebildeten Wirtschaftsbereiche. Die Position in der Horizontalen weist die Einschätzung über die aktuelle Geschäftslage der Firmen aus, auf der Vertikalen wird die Differenz zur Befragung im Vorquartal angezeigt. Die Grösse der Kreise stellt die Wichtigkeit des Sektors in der Zentralschweiz dar, hier gemessen als Anteil der Beschäftigten.
Lesebeispiel Grafik 1:
Kommt eine Branche in den Quadranten 2 oder 3 zu liegen, ist der Anteil an Unternehmen, die die Geschäftslage als schlecht einschätzen grösser als der Anteil an Unternehmen, die die Geschäftslage als gut einschätzen. Branchen in den Quadranten 1 und 2 weisen eine Verbesserung der Geschäftslage im Vergleich zum Vorquartal auf, während sich Branchen im Quadranten 2 trotz Verbesserung im negativen Bereich befinden und Branchen im Quadranten 1 im Positiven Bereich.
Beschäftigungsindikator:
Die in den Grafik zur Beschäftigung (Grafik 3) verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Beschäftigungsindikator» der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihren gegenwärtigen Bestand an Beschäftigten zu beurteilen und allfällige Veränderungen in den nächsten drei Monaten zu prognostizieren.
Ist der Wert des Indikators positiv, möchten mehr Unternehmen ihren Personalbestand aufbauen als abbauen. Bei einem Wert von Null ist der Anteil der Unternehmen, die Stellen abbauen möchten und Unternehmen, die Stellen schaffen möchten gleich gross.
Branchenzugehörigkeit:
Baugewerbe: Hochbau, Tiefbau und Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe (NOGA 41-43)
Industrie: Verarbeitendes Gewerbe / Herstellung von Waren (NOGA 10-33)
Grosshandel: Grosshandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 46)
Detailhandel: Detailhandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 47)
Gastgewerbe: Beherbergung und Gastronomie (NOGA 55-56)
Finanzsektor: Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (NOGA 64-65)
Projektierung: Architektur- und Ingenieurbüros (NOGA 71)
Verschiedene Dienstleistungen: Übrige Dienstleistungsbranchen ohne staatsnahe Branchen und Staatssektor, Verkehr und Lagerei (NOGA 49–53), Information und Kommunikation (NOGA 58–63), Grundstücks- und Wohnungswesen (NOGA 68), Erbringung von freiberufl., wissen. u. techn. Dienstl. (NOGA 69–75, ohne 71), Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstl.(NOGA 77–82), Kunst, Unterhaltung und Erholung (NOGA 90–93)





