Industrie als Vorreiterin bei der Erfüllung der Klimaziele

In den Medien wurde die Neuigkeit unzureichend aufgegriffen: Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat die Industrie als einziger Bereich ihre Zielsetzung gemäss geltendem CO2-Gesetz für die Periode bis 2020 eingehalten. Wir präsentieren zwei der vielen Beispiele aus der Zentralschweiz, wie die Industrie diesen wichtigen Meilenstein erreichen konnte.

Mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls hat sich die Schweiz dazu verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu vermindern. National wurde diese Forderung im geltenden CO2-Gesetz umgesetzt. Gemäss diesem hätte die Schweiz ihren Treibhausgasausstoss gegenüber dem Basisjahr 1990 um 20 Prozent reduzieren müssen. Das Reduktionsziel wurde knapp nicht erreicht, wie ein Bericht des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zeigt. Der Sektor Industrie hat als einziger Bereich die Reduktionsvorgaben nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Gemäss CO2-Verordnung wurde eine Reduktion von 15 Prozent vorgeschrieben. Erreicht hat die Industrie eine Reduktion von 17 Prozent – und dies trotz hohem Wachstum. Die Wertschöpfung konnte die Industrie im gleichen Zeitraum gemessen am Bruttoinlandprodukt verdreifachen. Die Sektoren Gebäude (Soll: -40%/Ist: -39%) und Verkehr (-10%/-8%) konnten die angestrebten Meilenstein nicht erreichen. Die nächste Zielevaluation findet im Jahr 2030 statt, bis dahin müssen die Treibhausgase im Durchschnitt um weitere 35 Prozent sinken.

 
Effizienz dank Zielvereinbarungen

Um trotz Emissionsreduktionen wirtschaftlich zu wachsen sind effiziente Rahmenbedingungen nötig. Staatliche Gebote und Verbote sind dabei schlechte Instrumente. Unternehmen kennen ihre eigenen Prozesse und damit auch ihre Einsparmöglichkeiten am besten. Das geltende CO2-Gesetz hält sich an diese Devise. Zum einen existiert die CO2-Abgabe, die als Preissignal für die negativen Effekte des Treibhausgasausstosses fungiert. Zum andern können sich Unternehmen aber von dieser Lenkungsabgabe befreien, wenn sie zusammen mit dem Bund eine massgeschneiderte Zielvereinbarung zur Reduktion des CO2-Ausstosses abschliessen. Unterstützt von der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) können so individuell die effizientesten Einsparpotentiale eruiert und angegangen werden. Schweizweit machen bereits mehr als 4000 Unternehmen von diesem Ansatz Gebrauch.


Auch die Zentralschweiz spart ein

Effiziente Projekte zur Reduktion von Treibhausgasen gibt es auch in der Zentralschweiz. Beispielsweise hat der Obwaldner Müesli-Hersteller bio-familia AG ihre gesamte Warmwasser- und Heizenergieaufbereitung für die Produktionsprozesse auf Grundwasserwärmepumpen umgestellt. Damit können jährlich rund 50 000 Franken an Energiekosten gespart werden. Auch der benötigte Strom wird direkt in Obwalden hergestellt – mit einer Photovoltaikanlage von 1000 Quadratmetern und einem Trinkwasserkraftwerk. Damit können nicht nur die Abgaben und Emissionen gespart werden, sondern darüber hinaus Energiekosten.
Einiges mehr an Energie benötigt die Produktion der Perlen Papier AG. Für die Papierherstellung muss der Wasseranteil des Papierstoffes von 99 Prozent auf unter zehn Prozent gesenkt werden – durch Hitze. Seit 2013 konnte das Unternehmen den CO2-Auststoss aber um 84 % reduzieren und auf die Verwendung von Schweröl verzichten. Die Zielvereinbarung mit dem BAFU konnte sechzehnfach übertroffen werden.

 
Neue Initiativen für die Erreichung der Ziele 2030

Im letzten Jahr wurde das Nachhaltigkeitsnetzwerk Zentralschweiz (NNZ) ins Leben gerufen. Der Verein hat zum Ziel, Zentralschweizer Unternehmen, Verbände und die staatlichen Akteure in Nachhaltigkeitsfragen zu vernetzten und mit praxisnaher Erstberatung und Vermittlung von Ansprechpersonen zu unterstützen. Weiter haben der Wirtschaftsdachverband economiesuisse und WWF Schweiz mit Sustainable Switzerland ein gemeinsames Projekt zur Förderung der Science Based Targets initiative (SBTi) angestossen. SBTi ist eine weltweit standardisierte und in Expertenkreisen breit anerkannte Methode zur Festlegung von Klimazielen. Mit SBTi kann sich jede Firma wissenschaftsbasierte Klimaziele setzen und selbst ausrechnen, wie schnell sie ihre Emissionen senken muss, um das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen.


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