Alle Informationen zur Energiemangellage

Die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ informiert Sie auf dieser Seite über die aktuelle Situation in der Energiethematik.

Der Bund und die zuständigen Fachstellen schätzen das Risiko einer Strom- und Gasmangellage im Winter 2022/2023 als erhöht ein. Energie ist einer der wichtigsten Inputfaktoren für die Wirtschaft. Eine verlässliche Energieversorgung mit wettbewerbsfähigen Preisen ist fundamental für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Die Sparanstrengungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik müssen weitergeführt werden, um eine Mangellage mit Kontingentierungen zu verhindern. Nur so können volkswirtschaftliche Schäden minimiert und Arbeitsplätze gesichert werden. 

Versorgungslage
(Stand: 30. November 2022)

 

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Lagebeurteilung BWL (wöchentlich)

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BLW) informiert regelmässig über die aktuelle Lage der Energieversorgung. Die Versorgung mit Elektrizität ist gegenwärtig sichergestellt.

 
Elektrizität
Die Schweizer Kernkraftwerke laufen mit regulärer Leistung. Die Erzeugungsleistung der Flusskraftwerke liegt weiterhin unter dem langjährigen Median, die Füllstände der Speicherseen liegen darüber. Risiken bergen nach wie vor mögliche Importbeschränkungen aus den Nachbarstaaten sowie die Unsicherheit um die Kapazität von französischen Kernkraftwerken. Der französische Energiedienstleister EDF hat kürzlich die Erwartungen für die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken für 2022 leicht gesenkt.


Gas und Mineralölprodukte
Die Versorgung der Schweiz mit Erdgas ist gegenwärtig gesichert. Gesteigerte Importe von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus Norwegen konnten die Versorgungssicherheit trotz Pipeline-Transporteinschränkungen stabilisieren. Die europäischen Länder konnten ihre Erdgas-Speicherbestände erhöhen. Der Durschnitt liegt aktuell bei ca. 94 Prozent. Mit den spät gesunkenen Temparaturen hat nun jedoch die Entnahmephase begonnen. Die Versorgung mit Mineralölprodukten ist gegenwärtig angespannt aber sichergestellt. Die Sicherstellung der Versorgung mit Flugpetrol konnte aufgrund der Pflichtlagerfreigabe stabilisiert werden.

Energiepreise

(Stand: 30. November 2022)

 

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Terminmarktbericht Elcom (wöchentlich)

Momentan sind die Energiepreise sehr volatil. Unternehmen sind von den Preisauswüchsen unterschiedlich stark betroffen. Insbesondere Unternehmen, die sich am freien Strommarkt befinden, ihre Stromversorgung nicht langfristig geglättet haben, energieintensiv sind und sich im internationalen Wettbewerb befinden, können mit Liquiditätsschwierigkeiten konfrontiert werden. Die in der Zentralschweiz überdurchschnittlich  vertretene Industriebranche ist der Energiekrise besonders stark ausgesetzt. Aber auch die Gastronomie und die Hotellerie sind aufgrund der verhältnismässig tiefen Margen und dem relativ hohen Anteil des Stromverbrauchs an den Kosten betroffen.

 
Elektrizität
Die Preise an den Spot- und Terminmärkten befinden sich weiterhin auf einem ausserordentlich hohen Niveau. Der Höhepunkt von über tausend Euro pro Megawattstunde für einen Jahreskontrakt 2023 von Ende September scheint vorerst überwunden. Nach einem sehr starken Abwärtstrend zwischen September und Mitte November, stiegen die Preise leicht an. Für eine Megawattstunde im Jahreskontrakt für 2023 bezahlte man Ende November ca. 370 Euro, ein plus von 2,9 Prozent im wochenvergleich. Auch die Preise für das erste Quartal 2023 haben sich nach langem Abwärtstrend stabilisiert. Am 30. November konnte innert Wochenfrist leichter Preisanstieg von 4 Prozent beobachtet werden. Insbesondere die erwartete Abkühlung der Wirtschaft die folglich tiefer erwartete Stromnachfrage sind für den Trend Richtung Preisnormalisierung verantwortlich.

 
Erdgas
Auch die Gaspreise verzeichnen mehreren Monaten des Abwärtstrends wieder einen leichten Anstieg. Innert Wochenfrist hat sich der Preis an den Märkten um knapp 4 Prozent erhöht liegen Seit Wochen aber wieder deutlich unter 150 Euro pro Megawattstunde, nachdem dafür Ende September 2022 noch mehr als das doppelte bezahlt werden musste. Preissenkend wirkten sich die anhaltenden russischen Lieferungen durch die
Ukraine, die beträchtlichen LNG-Lieferungen, die
für diesen Zeitraum historisch hohen
europäischen Lagerbestände sowie die Temperaturvorhersagen für die näcshten Wochen aus. Das Angebot an LNG ist robust. 

Energie sparen

 

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Sparkampagne des Bundes

Eine Energiemangellage mit allfälligen Kontingentierungen und Netzabschaltungen in der Stromversorgung muss mit allen Mitteln verhindert werden. Der Bund hat aus diesem Grund eine Kampagne ins Leben gerufen, um die Bevölkerung und die Wirtschaft zu unterstützen, Strom zu sparen. Auf der Kampagnenseite finden Sie auch für Unternehmen nützliche Tipps sowie Tools und bestellbares Informationsmaterial, um wertvolle Energie nicht zu verschwenden. Werden auch Sie als Unternehmen teil der Energiespar-Alliance.

 

Das Arbeitsgesetz belässt den Unternehmen einen weiten Spielraum und steht den Sparappellen des Bundes nicht entgegen. Dennoch obliegt es dem Arbeitgeber, geeignete Massnahmen zu finden und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat aus diesem Grund ein Merkblatt für Arbeitgebende verfasst.

 

Umschaltung von Zweistoffanlagen

Der Bundesrat hat Ende September offiziell die Empfehlung für die Umschaltung von Zweistoffanlagen von Gas auf Öl ausgegeben. Unternehmen, die dadruch mehr CO2 oder Luftschadstoffe ausstossen, sollen vor Sanktionen geschützt bleiben.

Staatliche Massnahmen bei einer Energiemangellage

(Stand: 23.11.2022)

 

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Informationen Strommangellage

Informationen Gasmangellage

Strom (Vernehmlassung)

Am 23. November 2022 hat der Bundesrat die Bewirtschaftsmassnahmen für den Fall einer schweren Strommangellage präsentiert und dazu ein verkürztes Vernehmlassungsverfahren initiiert. In der Phase der freiwilligen Sparappelle befinden wir uns bereits. Zeichnet sich eine Mangellage ab, würden in einem nächsten Schritt sollen nicht zwingend benötigte Geräte und Anlagen eingeschränkt oder verboten werden. Die aufgeführten Schritte können nacheinander oder gemeinsam in Kraft treten. Für die Wirtschaft sind insbesondere das Verbot von Objektbeleuchtung aber auch die Beschränkung der Heiztemperatur auf 20 Grad bis hin zu möglichen Beschränkungen der Ladenöffnungszeiten von Bedeutung. In einer dritten Eskalationsstufe werden Kontingengierungen für den Stromverbrauch von Grossverbrauchern (> 100 Mwh Jahresverbrauch) eingeführt. Die Rationierung ist dabei auf einen Monat angelegt. Unternehmen können die verfügbaren Koningente nach ihren Bedürfnissen über den Monat verteilt einsetzen. Bei einer Sofortkontingentierung im Falle einer schlimmeren Lage ist die Rationierungsperiode auf einen Tag angesetzt und kann innerhalb weniger Tage einberufen werden. In einem eingeschränkten Rahmen soll laut Bundesrat auch die Weitergabe von Kontingenten möglich sein. Als Ultima Ratio muss mit zyklischen Netzabschaltungen gerechnet werden. Sofern technisch möglich sollen lebenswichtige Dienstleistungen wie Energie- und Wasserversorgung, Blaulichtorganisaitonen oder die medizinische Grundversorgung ausgenommen sein. Die technische Möglichkeit sei aber nur vereinzelt möglich.

 

Weitere Informationen des Bundes

 

Haben Sie Kommentare zum Verordnungsentwurf des Bundesrates? Teilen Sie uns Ihre Anmerkungen und Kommentare mit bis zum 9. Dezember.

Mail an Wirtschaftspolitik IHZ

 

Gas

 

Auch bei der Gasversorgung befinden wir uns bereits in der ersten Phase der Kasakade, die freiwillige Sparappelle beinhaltet. Zudem hat der Bundesrat bereits die Umschaltung von Zweistoffanlagen von Gas auf Öl auf freiwilliger Basis empfohlen. In einem nächsten Schritt kann der Vorsteher des Departements WBF (Bundesrat Guy Parmelin) diese Umstellung verbindlich festlegen. Sollten die Einsparungen nicht genügen, kann der Bundesrat Verbrauchseinschränkungen erlassen. Diese betreffen Beispielsweise die Wärmeerzeugung in den Bereichen Freizeit und Wellness sowie leerstehende Gebäude und Ferienhäuser und die Einführung einer maximalen Heiztemperatur von 20 Grad Celsius auch für Geschäftsräume und private Haushalte. In einer letzten Eskalationsstufe würde der Gasverbrauch kontingentiert. Nicht betroffen von den Kontingengierungen wären unter Anderem Spitäler, Alters- und Pflegeheime sowie Betriebe der öffentlichen Sicherheit und der Sicherstellung der Trinkwasser- und Energieversorgung.

 

Weitere Informationen des Bundes

 

 

Wirtschaftspolitik und Interessenvertretung

Die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ steht an Ihrer Seite und macht sich stark für Ihre Interessen. Die ausformulierte Position der IHZ finden Sie hier:

Richten Sie Anregungen, Wünsche und Fragen an die wirtschaftspolitsiche Abteilung der IHZ:

Staatliche Unterstützungsmassnahmen für Unternehmen

Insbesondere die hohen Energiepreise können für einzelne Firmen existenzbedrohend sein. Der Bundesrat sieht aktuell keinen Handlungsbedarf für Unterstützungsmassnahmen, weder für Unternehmen noch Private (Medienmitteilung vom 2. November 2022). Die IHZ begrüsst, dass der Bund mit Abfederungsmassnahmen noch zuwartet. Staatliche Unterstützung bedeutet höhere Steuerausgaben und ist schwierig ohne Wettbewerbsverzerrungen und Fehlanreize zu konzipieren. Deckelungen von Strompreise oder andere Subventionen führen beispielsweise zu einer ineffizient übermässigen Stromnachfragen. Das könnte eine allfällige Mangellage mit Rationierungen begünstigen. Sobald behördliche Verbrauchseinschränkungen beschlossen werden, müssen staatliche Entschädigungen jedoch auf jeden Fall gesprochen werden.

 

Kurzarbeit

Der Bundesrat hat entschieden, vorerst keine Sondermassnahmen bezüglich Kurzarbeit aufgrund der Energiekrise zu treffen. Deshalb gelten für die Anmeldung von Kurzarbeit die üblichen Voraussetzungen.

SECO: Kurzarbeit im Kontext der aktuellen Energiemarktlage: Merkblatt für Betriebe (inkl. Fallbeispielen)

 

Grundsätzliche Fragen bezüglich Voranmeldung und Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung kann die zuständige kantonale Amtsstelle beantworten: