
IHZ Jahresanalyse 2026: Nach der Volatilität die Stabilisierung
Das Wirtschaftsjahr 2025 zeigte sich sehr volatil. In der Zentralschweiz resultiert dennoch ein moderates Wachstum. Der robuste Binnenkonsum kompensierte die Schwäche im Aussenhandel. Für 2026 deutet sich eine Stabilisierung an. Am Arbeitsmarkt ist mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen. Unternehmen setzen weiterhin auf Effizienz und verstärken ihr Engagement in der Berufsbildung.
Die Zentralschweizer Wirtschaft blickt auf ein äusserst volatiles Geschäftsjahr 2025 zurück. Nach einem starken Jahresstart verlor das Wachstum im zweiten Quartal an Dynamik. Auch danach lösten sich positive und negative Impulse ab. Im Aussenhandel führten rasch wechselnde Rahmenbedingungen zu hoher Volatilität und je nach Branche zu deutlich negativen Entwicklungen. Der Zentralschweizer Wirtschaftsraum ist jedoch weniger exportorientiert als der Schweizer Durchschnitt, weshalb die Effekte der Aussenwirtschaft auf das regionale Wirtschaftswachstum etwas weniger ausgeprägt sind. Hingegen erweist sich der Binnenkonsum als stark stützend. Die hohen Nominallohnerhöhungen bei tiefer inländischer Teuerung führen zu einem Wachstum der Realvermögen und somit zu einer nach wie vor positiven Konsumentenstimmung. Dieser robuste inländische Konsum sorgte in vielen Branchen für gute Ergebnisse und lässt die Zentralschweiz stärker wachsen als die schweizerische Gesamtwirtschaft. Während das SECO für das Jahr 2025 schweizweit von einem BIP-Wachstum von 1,4 Prozent ausgeht, dürften die regionalen Werte in der Zentralschweiz 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte höher liegen. Namentlich die Kantone Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden tragen stark zum Wachstum bei.
Warten auf Trendumkehr in der Industrie
Die Zentralschweizer Industrie hat seit 2022 mit rückläufigen Auftragsbeständen zu kämpfen. Auch im Jahr 2025 konnte keine Trendumkehr erreicht werden. Zu Beginn des Jahres sowie im Juni und im Oktober verzeichnete das verarbeitende Gewerbe einige positive Impulse. Teilweise deuteten Frühindikatoren auf eine wachsende Dynamik hin, teilweise konnten Unternehmen kurzfristig erhöhte Bestelleingänge verbuchen. Der Aufschwung blieb bisher jedoch aus. Aufgrund der vielen Unsicherheiten im internationalen Umfeld, der schwachen Ertragslage und der niedrigen Kapazitätsauslastungen ist die Investitionstätigkeit nach wie vor zurückhaltend, was vor allem die Zentralschweizer Maschinen- und Metallindustrie sowie die Produktion von elektrischen Ausrüstungen schwächt. Gerade in letzteren zwei Bereichen wird die Geschäftslage von einer Mehrheit der Unternehmen als schlecht eingeschätzt. Die Maschinenindustrie zeigt sich in ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate etwas optimistischer.
Der Detailhandel entwickelte sich dank des hohen privaten Konsumniveaus im Jahresverlauf robust. Auch für 2026 ist eine stabile Entwicklung zu erwarten. Preise können jedoch seit längerer Zeit nicht erhöht werden, was auf die Margen schlägt. Der Online-Handel wächst dabei deutlich stärker als der stationäre Handel.
Im Bausektor ist die Lage grundsätzlich zufriedenstellend, obwohl im Wohnungsbau ein langanhaltender Abschwung zu beobachten ist und bei gewerblichen Bauprojekten die Zurückhaltung steigt. Die Margen stehen aufgrund des starken Lohnanstiegs unter Druck. Zudem sind sie abhängig von der äusserst volatilen Kapazitätsauslastung. Aktuell wirken Infrastrukturbauten durch die öffentliche Hand stützend. Für das Jahr 2026 kann von einem leichten Aufschwung ausgegangen werden.
Das Gastgewerbe verzeichnet ein weiteres Rekordjahr. In der Hotellerie hat die Wertschöpfung bis zum Jahresende zugenommen. Das Wachstum verteilt sich auf inländische wie auch auf ausländische Gäste – trotz starkem Franken. In der Gastronomie wirkte der inländische Konsum stützend, der Umsatz konnte im Vergleich zur Hotellerie jedoch weniger stark gesteigert werden. Das Wachstum wird in beiden Bereichen auf hohem Niveau abflachen.
Unternehmen im Grosshandel verzeichneten jüngst deutliche Rückgänge, die sich auch negativ auf die Beschäftigung auswirken. Der Handel im Bereich Pharma und Chemie war im Jahresverlauf stark, schwächte sich gegen Jahresende jedoch leicht ab. Der Grosshandel mit Ausrüstungsgütern verzeichnet jüngst positive Signale.
Im bisher wachstumstreibenden Bereich der übrigen Dienstleistungen hat die Dynamik zuletzt deutlich abgenommen. Namentlich die unternehmensnahen Dienstleistungen verzeichneten einen Rückgang in der Wertschöpfung. Der Dienstleistungsexport bleibt volatil. Die Erwartungen sind dennoch optimistisch. Der Dienstleistungssektor wird auch im Jahr 2026 eine stützende Wirkung haben, grosse Wachstumsschübe sind jedoch nicht zu erwarten.
Aussenhandel
Für den Aussenhandel war 2025 ein herausforderndes Jahr. Nicht nur die US-Zollpolitik führte zu Verwerfungen. Das Wachstum im Euroraum blieb verhalten und die erhofften positiven Fiskalimpulse in Deutschland sind noch nicht eingetreten. In China ist die Binnennachfrage nach wie vor schwach und es bestehen starke Tendenzen zur inländischen Produktion im High-Tech-Bereich. Zudem hat sich der Schweizer Franken gegenüber praktisch allen Währungen aufgewertet. Das verteuert Schweizer Waren im Ausland deutlich.
Die US-Zollpolitik führte zudem zu hoher Unsicherheit und Volatilität. Im April sind bei den Zentralschweizer Exporten in die USA deutliche Vorzieheffekte zu erkennen. Bereits produzierte Waren wurden früher verschifft und die Lager in den USA damit gefüllt. Von August bis Oktober waren folglich deutliche Kompensationseffekte zu beobachten. Bereits im November stiegen die US-Exporte im Jahresvergleich wieder in den positiven Bereich, d.h. bevor bekannt wurden, dass die US-Zölle auf Schweizer Waren rückwirkend gesenkt werden. Das Exportwachstum von Waren mit Bestimmungsland Deutschland – dem mit Abstand grössten Handelspartner der Zentralschweiz – hat im Jahresverlauf deutlich abgenommen. Exporte nach Deutschland lagen im Oktober und November deutlich unter den Vorjahreswerten.
Eine deutlich lebhaftere Entwicklung verzeichnen Unternehmen im Handel mit lateinamerikanischen Ländern – allen voran Mexiko – sowie Indien. In Europa erweist sich vor allem Spanien als wachstumsstark.
Aufgeschlüsselt nach Warengruppen sind namentlich im Bereich Chemie und Pharma Vorzieh- und Kompensationseffekte zu erkennen. In den Monaten Februar, April und Juni sind die Exporte jeweils stark angestiegen, im darauffolgenden Monat jedoch wieder eingebrochen. Im Oktober und November lagen die Zentralschweizer Pharmaexporte deutlich unter den Werten des Vorjahresmonats. Maschinen- und Metallexporte entwickelten sich im Vergleich zum Vorjahr sehr zurückhaltend. Im Jahresverlauf ist bei beiden Warengruppen jedoch ein leichtes Wachstum zu beobachten.
Arbeitsmarkt
Der Zentralschweizer Arbeitsmarkt hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Von vor der Corona-Pandemie bis Juni 2022 hat sich die Anzahl offener Stellen mehr als verdoppelt, während die Anzahl registrierter Arbeitsloser stark gesunken ist. Zwischen Februar 2022 und Oktober 2023 gab es in der Region sogar mehr offene Stellen als arbeitslose Personen.
Seither hat sich dieser Trend deutlich gedreht. Angesichts der globalen Unsicherheiten sind Unternehmen bei der Schaffung neuer Stellen zurückhaltend geworden. Die Anzahl offener Stellen ist stark zurückgegangen und lag im November 2025 so tief wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote seit Juni 2023 von 1,1 Prozent auf über 2 Prozent gestiegen und erreichte im November 2025 den höchsten Wert seit 2021. Wir sind zurzeit aber weit entfernt von einer Krise im Arbeitsmarkt. Hohe Eintritts- und Austrittswerte in die Arbeitslosigkeit weisen auf einen dynamischen Arbeitsmarkt hin. Zudem liegt die Arbeitslosenquote in der Zentralschweiz nach wie vor deutlich tiefer als im Rest der Schweiz. Im Dezember betrug die Quote auf nationaler Ebene 3,1 Prozent, in der Zentralschweiz 2,1 Prozent. Insbesondere in den Kantonen Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden gehören die Werte mit 1 bis 1,2 Prozent zu den tiefsten der Schweiz. Zu Beginn des Jahres 2026 dürfte sie nochmals leicht steigen, bevor der Zentralschweizer Wert voraussichtlich bei 2,3 bis 2,4 Prozent zu liegen kommen wird.
Trotz dieser Entwicklung steigen die Nominallöhne weiter an. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich durch den anhaltenden Strukturwandel: Um ihre Margen zu sichern, sind Unternehmen gezwungen, effizienter zu werden. Sie bauen unproduktive Bereiche ab und konzentrieren sich auf ihre Kernbereiche. Gerade dort bleibt der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte intensiv – Unternehmen sind bereit, höhere Löhne zu zahlen, um geeignetes Personal zu gewinnen und zu halten.
Der Fachkräftemangel hat sich folglich leicht entschärft, bleibt aber nach wie vor virulent. Geeignete Fachkräfte lassen sich wieder finden und die Rekrutierungszeit ist deutlich kürzer geworden. Angesichts des demographischen Wandels und der bevorstehenden Pensionierungswellen sind sich Unternehmen aber bewusst, dass sie das Thema Fachkräftemangel über die nächsten Jahrzehnte weiter beschäftigen wird. Ein grosser Teil der Unternehmen setzt deshalb weiter auf die interne Ausbildung. Eine Mehrheit baut ihr Engagement in der Berufsbildung aus und erhöht die Anzahl Lehrstellen.
Die grössten Konjunkturrisiken
Positiv:
- Ein schneller als erwarteter Rückgang der Inflation im Ausland könnte auch in der Zentralschweiz zu positiven Impulsten führen
- Eine Belebung der deutschen Wirtschaft beispielswiese dank einer raschen und wirkungsvollen Umsetzung des Impulsprogramms könnte die Auftragslage in der Zentralschweiz deutlich erhöhen
- Eine Entspannung der internationalen Handelspolitiken könnte zu einer günstigeren Entwicklung führen, insbesondere in Europa und den USA
Negativ:
- Die gegenseitige Absichtserklärung zwischen der Schweiz und den USA ist vorerst nicht rechtlich bindend, die Unsicherheit über Zölle auf Schweizer Waren beim Export in die USA bleibt auch 2026 hoch
- Geopolitische Spannungen und damit einhergehende Störungen der Lieferketten könnten zu hohen Importpreisen (insb. Energie) und zu hohen Transportpreisen führen. Der Spielraum für Preiserhöhungen gegenüber den Konsumenten bleibt gleichzeitig aber klein
- Die hohe Staatsverschuldung könnte zu Verwerfungen auf den Finanzmärkten führen und dadurch zu einem starken Franken. Eine weitere starke Aufwertung und der eingeschränkte Spielraum der SNB für weitere Zinssenkungen könnte die Exportindustrie zusätzlich belasten und die Erholung in der Industrie weiter hinausschieben.
Für Fragen und Anmerkungen:
Yves Spühler | Leiter Wirtschaftspolitik und Ökonomie
Erklärung der Erhebung «Geschäftslage»
Die in den Grafiken zur Geschäftslage verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Geschäftslageindikator» des KOF Instituts. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihre Gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen. Sie können die Lage mit «gut», «befriedigend» oder «schlecht» bezeichnen. Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten «gut» und «schlecht». Die Grafik zeigt saisonbereinigte Werte der Zentralschweiz über die abgebildeten Wirtschaftsbereiche. Branchenzugehörigkeit: Baugewerbe: Hochbau, Tiefbau und Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe (NOGA 41-43); Industrie: Verarbeitendes Gewerbe / Herstellung von Waren (NOGA 10-33); Grosshandel: Grosshandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 46); Detailhandel: Detailhandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 47); Gastgewerbe: Beherbergung und Gastronomie (NOGA 55-56); Finanzsektor: Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (NOGA 64-65); Projektierung: Architektur- und Ingenieurbüros (NOGA 71); Verschiedene Dienstleistungen: Übrige Dienstleistungsbranchen ohne staatsnahe Branchen und Staatssektor, Verkehr und Lagerei (NOGA 49–53), Information und Kommunikation (NOGA 58–63), Grundstücks- und Wohnungswesen (NOGA 68), Erbringung von freiberufl., wissen. u. techn. Dienstl. (NOGA 69–75, ohne 71), Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstl.(NOGA 77–82), Kunst, Unterhaltung und Erholung (NOGA 90–93)
Zur Jahresanalyse
Die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ evaluiert regelmässig die konjunkturelle Lage in der Zentralschweiz. Neben der vierteljährlichen Quartalsanalyse und der halbjährlichen Konjunkturumfrage, veröffentlicht die IHZ jeweils im Januar einen Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr und wagt einen Ausblick in das kommende Geschäftsjahr. Als Grundlage dafür dient eine Expertenbefragung mit den IHZ-Vorstandsmitgliedern, die Konjunkturumfragen des KOF Instituts sowie weitere offizielle Statistiken.
Alle Zahlen zur Zentralschweizer Wirtschaft im Wirtschaftscockpit Zentralschweiz der IHZ
Die IHZ fasst mit dem Wirtschaftscockpit Zentralschweiz die wichtigsten ökonomischen Kennzahlen der Wirtschaftsregion zusammen. Das Wirtschaftscockpit beinhaltet Konjunkturanalysen, die wichtigsten ökonomischen Kennzahlen sowie themenspezifische Spezialanalysen. Die Sammlung der Daten gibt Aufschluss über die Geschäftslage der Zentralschweizer Unternehmen, misst den ökonomischen Erfolg der Region und zeigt auf, was die Zentralschweizer Wirtschaft von anderen Regionen unterscheidet.


