Konjunkturumfrage: Margensituation verbessert sich – nicht aber in der Industrie

Konjunkturumfrage: Margensituation verbessert sich – nicht aber in der Industrie

Die Zentralschweizer Wirtschaft zeigt sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen widerstandsfähig. Während eine knappe Mehrheit der Unternehmen mit dem Geschäftsgang zufrieden ist und die Margensituation sich insgesamt verbessert hat, zeichnet sich ein gespaltenes Bild ab: Besonders die Industrie leidet unter den US-Zöllen.

Trotz verschiedener Herausforderungen hat sich die Zentralschweizer Wirtschaft seit der Konjunkturumfrage im Mai 2025 als robust erwiesen. Nach wie vor ist eine knappe Mehrheit der Unternehmen mit dem Geschäftsgang zufrieden. 11 Prozent beurteilen den aktuellen Geschäftsgang im November 2025 als schlecht oder sehr schlecht. 

Im gleichen Zeitraum konnten Unternehmen ihre Margen mit Prozessoptimierungen und Kostensenkungen sichern. Nachdem sich die Margen bei Zentralschweizer bis im Mai 2025 tendenziell verschlechtert hatten, stieg der Anteil der Unternehmen mit einer guten oder sehr guten Margensituation bis im November 2025 von 31 Prozent auf 40 Prozent an. Der Anteil an Unternehmen, die mit ihrer aktuellen Margensituation unzufrieden sind, hat sich von 14 Prozent auf 9 Prozent deutlich reduziert.

Gleichzeitig beurteilen verglichen mit der letzten Umfrage aber mehr als doppelt so viele Unternehmen ihre Margensituation als «sehr schlecht». Dies ist auch auf unterschiedliche Entwicklungen zwischen den Branchen zurückzuführen insbesondere hinsichtlich ihrer Betroffenheit durch die Handelsverwerfungen durch die US-Zollpolitik. In der Exportindustrie und insbesondere in der Maschinenindustrie ist die Margensituation weiterhin angespannt. Doch auch stark von erodierenden Margen betroffene Unternehmen blicken optimistischer ins erste Halbjahr 2026. Kein Unternehmen rechnet in den nächsten sechs Monaten mit einer sehr schlechten Margensituation.

Auch die Erwartungen bezüglich des Geschäftsganges unterscheiden sich stark zwischen den Branchen. Während eine grosse Mehrheit der Zentralschweizer Gesamtwirtschaft optimistisch in die nächsten 6 Monate blickt, beträgt dieser Anteil in der Industrie und in der Exportwirtschaft lediglich einen Drittel.

Hinsichtlich der Personalentwicklung sind Unternehmen deutlich zurückhaltender als in früheren Umfragen. Rund 70 Prozent sind mit dem aktuellen Personalbestand zufrieden, während 20 Prozent mit einem Personalzuwachs und 10 Prozent mit einem Personalabbau rechnen.

 

Nachfrageeinbruch als grösstes Konjunkturrisiko

Als grösstes negatives Konjunkturrisiko wird dabei ein Einbruch der Nachfrage genannt. Auch eine weitere durch Unsicherheit bedingte verschlechtertes Investitionsumfeld wird von 14 Prozent der Unternehmen als Konjunkturrisiko eingeschätzt. Erstmals häufig genannt wurde die nationale Politik als Konjunkturrisiko. Insbesondere in Bezug auf die am 30. November abgelehnte Erbschaftssteuerinitiative der Juso sehen Unternehmen die inländische Politik als Risikofaktor für die Konjunktur. Gleichauf ist das durch die internationale Politik bedingte Konjunkturrisiko einer Verschärfung der US-Zollpolitik.
 

Regulierung bleibt Hauptsorge - Liquiditätsprobleme nehmen zu

Nach wie vor ist Regulierung und Bürokratie die meistgenannte Sorge von Zentralschweizer Unternehmen. Mit 58 Prozent wurde die Sorge noch häufiger genannt als noch im Mai. Ebenfalls zugenommen hat die Sorge über Absatzschwierigkeiten im Ausland. Diese Sorge wird von 61 Prozent der Industrieunternehmen und praktisch allen exportierenden Unternehmen genannt. Die Sorge über Absatzschwierigkeiten im Inland hat sich hingegen leicht entschärft. Ebenfalls weniger häufig genannt wurden Sorgen über einen zu tiefen Personalbestand und Probleme beim Bezug von Vorprodukten. Die grösste relative Veränderung zeigt sich bei Problemen mit der Liquidität. Mit rund 11 Prozent handelt es sich dabei neu um die fünftmeistgenannte Sorge der Zentralschweizer Unternehmen.
 

US-Zölle treffen Industrie hart. Direkt betroffene Unternehmen reagieren mit Preisanpassungen

Unternehmen sind dabei stark unterschiedlich von den US-Zöllen betroffen. Während in der Gesamtwirtschaft rund ein Drittel der Unternehmen stark oder sehr stark negativ von den US-Zölle betroffen sind, sind es in der Industrie fast zwei Drittel, die direkt oder indirekt negativ betroffen sind.

 

Rund 16 Prozent der befragten Unternehmen äussern dabei eine direkte Betroffenheit und haben bereits mit Massnahmen reagiert. Am häufigsten genannt wurden Preiserhöhungen. Während rund 30 Prozent der direkt betroffenen Unternehmen im US-Markt massgebliche Preiserhöhungen durchsetzen konnten, war dies bei 64 Prozent nur in geringerem Ausmass möglich. Einige Unternehmen beliefern den US-Markt zurzeit zu Selbstkosten und verzichten damit auf eine Marge, um den Marktzugang nicht zu verlieren. Nur rund 6 Prozent der Unternehmen haben ihre Exporte in die USA eingestellt. Am zweithäufigsten genannt wurde die Suche nach alternativen Märkten. Rund 6 Prozent der Unternehmen reagieren mit einer Verlagerungen der Produktion in die USA, rund 18 Prozent mit einer Verlagerung der Produktion in die EU. Während 18 Prozent der direkt betroffenen Unternehmen Kurzarbeit angemeldet haben, wurden bisher US-Zollbedingt noch keine Stellen abgebaut.

Für Fragen und Anmerkungen:

Yves Spühler | Leiter Wirtschaftspolitik und Ökonomie

Informationen zur Umfrage

Die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ führt in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsdachorganisation economiesuisse halbjährlich eine Konjunkturumfrage direkt bei den Mitgliedunternehmen durch. Im Vordergrund stehen die Sorgen der Zentralschweizer Unternehmen, der gegenwärtige Geschäftsgang und der konjunkturelle Ausblick. Die Erhebung fand zwischen dem 8. und 28. November 2025 statt.

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