
Medienmitteilung: 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Freiheit im Stresstest
Über 250 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kamen am 4. September 2025 zum 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ zusammen. Im Zentrum stand das Thema «Freiheit – Fundament und Standortvorteil für die Zentralschweiz». Bundesrat Albert Rösti betonte, Freiheit müsse durch Eigenverantwortung, offene Märkte und eine sichere Energieversorgung immer wieder neu gesichert werden.
Für viele Teilnehmende begann der Forumstag sportlich: Um 6.45 Uhr machten sich rund 70 Personen bei der Talstation Alpnachstad in Wanderschuhen auf den Weg Richtung Pilatus Kulm. Die Wanderung bot Gelegenheit, bereits frühmorgens über die Zukunft des Zentralschweizer Wirtschaftsraums zu diskutieren und Kontakte zu pflegen.
US-Zölle und geopolitische Verwerfungen
IHZ-Direktor Adrian Derungs und Christoph Hauser, Ökonom und Leiter CC Management & Law der Hochschule Luzern – Wirtschaft, eröffneten das Forum mit einer Auslegeordnung zum Begriff der Freiheit. Sie spannten den Bogen von persönlicher Selbstbestimmung bis hin zur wirtschaftlichen und politischen Freiheit. Freiheit, so wurde deutlich, eröffnet Chancen, schafft aber auch Spannungsfelder zwischen individueller Autonomie, gesellschaftlicher Verantwortung und staatlicher Regulierung.
Im Eröffnungspodium zum Thema «Der Westen auf dem Prüfstand – Freiheit in Gefahr?» diskutierten Staatswissenschaftlerin und Amerika-Expertin Claudia Franziska Brühwiler, Andrea Rauber Saxer vom SECO und China-Experte Markus Herrmann über geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und die Suche nach neuen Gleichgewichten in einer multipolaren Weltordnung. Der überraschende Zollentscheid aus Washington war ein Paukenschlag – auch für die Podiumsteilnehmenden. Für Claudia Franziska Brühwiler war er zwar ein «Schockmoment», doch warnte sie vor vorschnellen Reaktionen: «In dieser Administration ist nichts endgültig», betonte sie. China hingegen habe die Entwicklungen wesentlich weitsichtiger antizipiert, erklärte Markus Herrmann, Mitgründer und Geschäftsführer der China Macro Group. Peking habe sich bereits seit 2016 gezielt auf ein mögliches «Trump 2.0»-Szenario vorbereitet. Die Debatte zeigte: Freiheit ist heute nicht nur innenpolitisch herausgefordert, sondern auch in einem globalen Systemwettbewerb unter Druck.
Handelsbarrieren, Stromlücke, KI-Boom
Bundesrat Albert Rösti unterstrich im Gespräch mit Moderator Michael Rauchenstein, dass Freiheit stets aktiv verteidigt werden müsse. Weiter zeige sich Freiheit für ihn im Schweizer Subsidiaritätsprinzip, das politische Macht nach unten delegiert und Direktbetroffenen in Entscheidungsprozesse einbinde. Auf die Frage nach der aktuell grössten Herausforderung für die Freiheit, verwies Rösti auf die steigende Anzahl internationaler Handelsbarrieren. Dazu zählen Abschottungstendenzen und Protektionismus. Auch in der Energieversorgung sei die Freiheit zentral, erklärte der UVEK-Vorsteher. Er warnte vor einer wachsenden Lücke zwischen Bedarf und Produktion. Digitalisierung und der KI-Boom trieben den Stromverbrauch in der Schweiz zusätzlich voran. Die Schweiz hätte jedoch die Chance, ihre Rolle als sicherer Standort für Rechenzentren zu stärken. Diverse Wasserkraftprojekte sowie neue Solaranlagen können einen Teil des steigenden Bedarfs abfedern, allerdings nur, wenn sie nicht durch Einsprachen weiter verzögert werden. Zudem unterstrich er – auch mit Blick auf die Kernkraft – die Bedeutung von Technologieoffenheit, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.
Mehr Kante zeigen
Im Anschluss rückte die unternehmerische Freiheit in den Vordergrund. Markus Bucher, CEO Pilatus Flugzeugwerke AG, Helmut Ruhl, CEO AMAG Group AG, und Martin Schwab, CEO CKW AG, diskutierten mit IHZ-Kommunikationsleiter Thomas Odermatt über die Grenze zwischen notwendigem Handlungsspielraum, gerechtfertigter Regulierung und lähmender Überregulierung. «Wir haben keine Kultur Probleme zu beschreiben, sondern Lösungen zu entwickeln», betont Helmut Ruhl. Trotzdem sei die Überregulierung erdrückend, waren sich die drei CEOs einig. Die unternehmerische Freiheit sei ein zentraler Pfeiler der Schweizer Wirtschaft, gerate jedoch durch ein bröckelndes liberales Verständnis zunehmend ins Wanken. Umso wichtiger sei es, dass Unternehmerinnen und Unternehmer wieder klarer Stellung beziehen und mit transparenter Kommunikation die verantwortungsvolle Arbeit der Zentralschweizer Unternehmen stärker in die Öffentlichkeit tragen.
Zum Abschluss weiteten Brigadier Oliver Müller und Philosoph Rayk Sprecher den Blick: von militärischer Sicherheit als Fundament der Freiheit bis zu philosophischen Überlegungen, warum es sich lohnt, trotz Widerständen frei zu denken und zu handeln.
Ein starker Ort der Begegnung
IHZ-Direktor Adrian Derungs zeigte sich mit dem diesjährigen Forum sehr zufrieden: «Das Zentralschweizer Wirtschaftsforum ist ein etablierter Anlass, bei dem die Vernetzung und die Diskussion aktueller Herausforderungen im Mittelpunkt stehen. Als IHZ bieten wir der Zentralschweizer Wirtschaft eine starke Plattform und bringen Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen.»


