Medienmitteilung: Klimakonzept Obwalden: Industrie benötigt realistischen Spielraum

Der Kanton Obwalden präsentiert seinen Entwurf für die Energie- und Klimapolitik der nächsten Jahre. Ziel: Die übergeordneten Ziele des Bundes - Netto Null bis 2050 - zu erreichen. Die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ begrüsst die geplante Senkung der Treibhausgase sowie die topographischen Gegebenheiten für die Stromproduktion zu nutzen. Die IHZ plädiert jedoch dafür, minimale Restemissionen für die Industrie einzuplanen.

Die Industrie ist ein wichtiger Akteur bei der Erreichung der Emissionsziele. Bereits zum zweiten Mal in Folge hat der Sektor Industrie die nationalen Reduktionsvorgaben gemäss geltendem CO2-Gesetz erreicht – in der letzten Periode bis 2020 sogar als einziger Sektor. Mit einer Senkung von 17 Prozent wurde das angestrebte Ziel von 15 Prozent übertroffen.
 
Das vorliegende Energie- und Klimakonzept 2035 des Kantons Obwalden weist aus Sicht der IHZ jedoch eine Schieflage in Bezug auf eine Gleichbehandlung der einzelnen Sektoren auf. Während man davon ausgeht, dass Verkehr, Gebäude und Industrie ihre Emissionen bis 2050 um 100 Prozent senken, reicht gemäss Konzept bei der Landwirtschaft eine Reduktion von 25 Prozent.

 

Der Kanton Obwalden hat einen bedeutenden verarbeitenden Sektor. Mit jeder Dritten Stelle in der Industrie führt der Kanton anteilsmässig die nationale Rangliste an. Umso gefährlicher ist ein vollständiges Verbot von Emissionen aus der Industrie auf dem Gebiet des Kantons Obwalden. Ein Absenkpfad auf null für die reine Energiebetrachtung sollte machbar sein, bedingt jedoch kapitalin-tensive Erneuerungen des Anlageparks der Unternehmen und teilweise einen Technologiewechsel. Eine vollständige Verhinderung von Abgasen bei Prozessen und austretende Stoffe bei Leckagen ist nicht realistisch. Eine solche Politik könnte zu einer kontraproduktiven Verlagerung der Produktionen in andere Länder mit lascheren Umweltregulierungen führen. Dabei verliert der Kanton Obwalden wertvolle Arbeitsplätze und die Emissionen nehmen weltweit sogar zu.

 

Auf nationaler Ebene wird bei der Industrie eine gewisse Restausstossmenge budgetiert. Die IHZ fordert dies auch im Rahmen des Energie- und Klimakonzeptes 2035 im Kanton Obwalden. Im Gegenzug ist es sinnvoll, den Absenkpfad in der Landwirtschaft ambitionierter zu gestalten. Der Primärsektor ist für 34 Prozent der kantonalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, es existiert somit noch grosses Einsparpotential.

 

Wie die bisherigen Evaluationen zeigen, konnte die Industrie auch im Kanton Obwalden die gesteckten Ziele übertreffen. Beispielsweise konnte die Energieeffizienz gemäss Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) seit 2012 fast viermal stärker optimiert werden als im Zielpfad vorgegeben. Allenfalls wird das Null-Emissionsziel in der Industrie also auch erreicht, wenn ein gewisser Restausstoss gewährt wird. Man wäre aber bereits auf eine Kompensation vorbereitet, falls sich die Emissionen nicht vollständig reduzieren liessen.