Quartalsanalyse Q4 – 2023: Signifikante Verbesserungen im Grosshandel, im Gastgewerbe und im Finanzsektor

Zentralschweizer Unternehmen im Grosshandel, im Gastgewerbe und im Finanzsektor schätzen die Geschäftslage deutlich besser ein als noch vor drei Monaten. Die Industrie kann den anhaltenden negativen Trend auch im neuen Jahr nicht durchbrechen. Die Zeichen stehen aber gut für konjunkturelle Aufhellungen im zweiten Halbjahr.

Unternehmen im Finanzsektor schätzen die Geschäftslage signifikant besser ein als im letzten Quartal. Die höheren Zinsen und die positiven Zeichen auf den Aktienmärkten führen zu einer verbesserten Margensituation. Die Branche schätzt die Geschäftslage nach dem Projektierungssektor am zweitpositivsten ein und überholt damit die Baubranche. Ebenfalls eine deutlich bessere Lage verzeichnen Unternehmen im Gastgewerbe und im Grosshandel. Leichten Optimismus auf tieferem Niveau bekunden Dienstleistungsunternehmen. Detailhandelsunternehmen schätzen die Geschäftslage schlechter als im Vorquartal ein. Die Konsumentinnen und Konsumenten haben sich in den letzten Jahren mit Gütern eingedeckt. Der bisher stark stützende private Konsum hat sich gegen Ende des Jahres merklich abgeschwächt. Trotz der Eintrübung schätzt die Mehrheit der Unternehmen im Detailhandel die Geschäftslage positiv ein. Industrieunternehmen empfinden die Geschäftslage als einzige Branche überwiegend als negativ. Der negative Trend seit März 2023 konnte auch im vierten Quartal des Jahres 2023 nicht gebrochen werden. Insbesondere exportorientierte Unternehmen sehen sich mit dem starken Franken, schlechten Entwicklungen in den internationalen Märkten und steigenden Frachtpreisen konfrontiert. Gleichzeitig werden zur Zeit die über die Erfolgsjahre aufgebaute Lagerbestände entlang der Wertschöpfungsketten abgebaut, was sich negativ auf den Bereich der Vorprodukte auswirkt. 

 

Trotz des anhaltenden Negativtrends im verarbeitenden Gewerbe sowie der verschlechterten Geschäftslage im Detailhandel sind die Zentralschweizer Unternehmen über alle Branchen gesehen optimistisch. Anders als im gesamtschweizerischen Durchschnitt schätzt die Zentralschweizer Wirtschaft die Geschäftslage generell besser ein als noch zu Ende des letzten Quartals. Insbesondere zwischen der Befragung im Dezember und im Januar kann eine deutlich optimistischere Einschätzung der Geschäftslage beobachtet werden.

 

Die Zentralschweizer Wirtschaft ist auch für den weiteren Verlauf des Jahres optimistisch. Alle Prognoseindikatoren steigen im Vergleich zum Vorquartal. Beispielsweise ist die durchschnittliche erwartete Geschäftslage der Zentralschweizer Unternehmen für die nächsten sechs Monate im Vergleich zum Oktober gestiegen. Ebenfalls plant eine Mehrheit der Unternehmen in allen Branchen ihren Personalbestand in den nächsten drei Monaten zu erhöhen. Die Zeichen stehen also gut, dass die Zentralschweizer Wirtschaft spätestens ab Jahreshälfte wieder an Fahrt aufnehmen wird. 

Datengrundlage und Lesehilfe zu den Grafiken

 

Geschäftslageindikator:

Die in den Grafiken zur Geschäftslage (Grafik 1 und 2) verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Geschäftslageindikator» der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihre Gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen. Sie können die Lage mit «gut», «befriedigend» oder «schlecht» bezeichnen. Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten «gut» und «schlecht». Die Grafik zeigt saisonbereinigte Werte der Zentralschweiz über die abgebildeten Wirtschaftsbereiche. Die Position in der Horizontalen weist die Einschätzung über die aktuelle Geschäftslage der Firmen aus, auf der Vertikalen wird die Differenz zur Befragung im Vorquartal angezeigt. Die Grösse der Kreise stellt die Wichtigkeit des Sektors in der Zentralschweiz dar, hier gemessen als Anteil der Beschäftigten.

 

Lesebeispiel Grafik 1:

Kommt eine Branche in den Quadranten 2 oder 3 zu liegen, ist der Anteil an Unternehmen, die die Geschäftslage als schlecht einschätzen grösser als der Anteil an Unternehmen, die die Geschäftslage als gut einschätzen. Branchen in den Quadranten 1 und 2 weisen eine Verbesserung der Geschäftslage im Vergleich zum Vorquartal auf, während sich Branchen im Quadranten 2 trotz Verbesserung im negativen Bereich befinden und Branchen im Quadranten 1 im Positiven Bereich. 

 

 

Beschäftigungsindikator:

Die in den Grafik zur Beschäftigung (Grafik 3) verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Beschäftigungsindikator» der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihren gegenwärtigen Bestand an Beschäftigten zu beurteilen und allfällige Veränderungen in den nächsten drei Monaten zu prognostizieren.

 

Ist der Wert des Indikators positiv, möchten mehr Unternehmen ihren Personalbestand aufbauen als abbauen. Bei einem Wert von Null ist der Anteil der Unternehmen, die Stellen abbauen möchten und Unternehmen, die Stellen schaffen möchten gleich gross. 

 

Branchenzugehörigkeit:

Baugewerbe: Hochbau, Tiefbau und Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe (NOGA 41-43)

Industrie: Verarbeitendes Gewerbe / Herstellung von Waren (NOGA 10-33)

Grosshandel: Grosshandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 46)

Detailhandel: Detailhandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 47)

Gastgewerbe: Beherbergung und Gastronomie (NOGA 55-56)

Finanzsektor: Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (NOGA 64-65)

Projektierung: Architektur- und Ingenieurbüros (NOGA 71)

Verschiedene Dienstleistungen: Übrige Dienstleistungsbranchen ohne staatsnahe Branchen und Staatssektor, Verkehr und Lagerei (NOGA 49–53), Information und Kommunikation (NOGA 58–63), Grundstücks- und Wohnungswesen (NOGA 68), Erbringung von freiberufl., wissen. u. techn. Dienstl. (NOGA 69–75, ohne 71), Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstl.(NOGA 77–82), Kunst, Unterhaltung und Erholung (NOGA 90–93)