Rückblick: Wirtschaftslunch «Cyberangriffe»

Cyberangriffe auf Unternehmen häufen sich. Inzwischen werden Cyberattacken sowohl von Firmen als auch Staaten als eine der grössten Gefahren eingestuft. Am IHZ-Wirtschaftslunch informierten Spezialisten, wie Sie Ihr Unternehmen davor schützen können.

Cyberangriffe auf Unternehmen häufen sich. Inzwischen werden Cyberattacken sowohl von Firmen als auch Staaten als eine der grössten Gefahren eingestuft. Am IHZ-Wirtschaftslunch vom 7. Juni 2022 informierten Spezialisten, wie Sie Ihr Unternehmen davor schützen können.

Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ Anlässe Wirtschaftslunch Von Pilotinnen lernen

Die drei Referenten Simon Kopff, Stefan Kudzielka und Peter Schildknecht im Gespräch mit Adrian Derungs.

 

Wie gehen Täter vor und was kann ich dagegen tun? Diese Frage stand im Zentrum des jüngsten Wirtschaftslunchs. Nachdem IHZ-Direktor Adrian Derungs die rund 90 Gäste im Bourbaki Luzern begrüsste, richtete er die erste Frage direkt ans Publikum: «Wer von Ihnen ist bereits Opfer einer Cyberattacke geworden?» Rund 10 Prozent hoben die Hand. Im Anschluss lancierte er die Gesprächsrunde mit folgenden Gästen:

  • Peter Schildknecht, CEO CPH Chemie + Papier Holding AG
  • Stefan Kudzielka, Cybercrime Investigation Kantonspolizei Schwyz
  • Simon Kopp, Mitinhaber und Geschäftsführer Deicher | Kopp Kommunikation

Zum Start schilderte Peter Schildknecht, wie der Cyberangriff auf die CPH Chemie + Papier Holding AG ablief. «Wir hatten dieses Krisenszenario vorbereitet», so Schildknecht. Im Ernstfall zu verstehen, was konkret geschehen ist, das Ausmass einzuordnen und alle nötigen Stakeholder zu informieren, sei sehr herausfordernd betont Schildknecht.


Cybercrime-Experte Stefan Kudzielka betonte, dass die finanziellen Auswirkungen durch Ausfälle oder Lösegeldzahlungen für Unternehmen verheerend sein können. In seiner Präsentation wies er auf folgende fünf Tätergruppen hin:

  • Script Kiddies, resp. Jugendliche, die sich im Darknet umtreiben
  • Organisierte Kriminalität
  • Insider/Spione
  • Staaten
  • Terrorgruppen

Die Motive würden von rein monetären Anreizen, über Ruhm, Rache bis hin zur puren Zerstörungslust reichen, so Kudzielka. Er betonte weiter, dass organisierte Gruppen oft einfacher zu überführen seien als Einzeltäterinnen und Einzeltäter. «Ein Angriff kann nicht verhindert, aber erschwert werden», so der Cybercrime Investigation Experte der Kantonspolizei Schwyz weiter. Kommunikationsexperte Simon Kopp stimmte Kudzielka zu: «Die steigende Professionalität der Täterinnen und Täter macht Sorgen».


Generell gelten folgende Präventionsgrundsätze:

  • Sichern der Daten (Backup’s)
  • Überwachen des Datenverkehrs mit Virenschutz und Firewall
  • Vorbeugen mit Software-Updates
  • Schützen der Online-Zugänge
  • Aufpassen und wachsam sein (Faktor Mensch)

Im zweiten Teil der Gesprächsrunde stand die Frage nach Hilfe und Support im Fokus. Nebst dem Mediendienst der Staatsanwaltschaft, der im Krisenfall eng mit dem betroffenen Unternehmen zusammenarbeitet, gibt es weitere wichtige Stellen, die es lohnt anzugehen. So wird empfohlen, im Ernstfall professionelle Hilfe von IT Spezialistinnen und Spezialisten in Anspruch zu nehmen. Peter Schildknecht erzählt, dass bei der CPH Chemie + Papier Holding AG nach dem Angriff rund 30 IT Forensikerinnen und Forensiker rund um die Uhr im Einsatz standen. Weiter erhalte man unter www.ncsc.admin.ch Erstauskünfte und unter www.cybercrimepolice.ch Informationen zu aktuellen Cyber-Phänomenen. Stefan Kudzielka empfiehlt weiter, einem Security Operation Center beizutreten.


Die optimale Kommunikation im Angriffsfall war dann Thema des letzten Teils des Events. Simon Kopp wies darauf hin, dass die Kommunikation oft vernachlässigt würde, da man nach einem Cyberangriff den Hauptfokus auf die Wiederherstellung des operativen Geschäfts lege. Eine kommunikative Vorbereitung eines solchen Krisenszenarios sei zentral, so Kopp. «Wer gibt Auskunft? Welche Stakeholder müssen informiert werden? Über welche Kanäle kommunizieren wir, wenn alles lahmgelegt ist? Solche Punkte gilt es zu klären», betont der Kommunikationsexperte. Weiter rät er im Umgang mit den Medien stets eine aktive Kommunikation zu pflegen. «Denn ab dem Ereignismoment werden Sie und Ihr Unternehmen an der Kommunikation gemessen», ist Simon Kopp überzeugt.


Während der Fragerunde sowie beim anschliessenden Stehlunch diskutierten Gäste und Referenten angeregt weiter und nutzten den Anlass auch für das Networking untereinander.