
Rückblick 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Impuls
Eine historisch-ökonomische Annäherung an den Freiheitsbegriff
Warum Freiheit mehr bedeutet als Wahlmöglichkeiten und weshalb sie nach ständiger Aushandlung verlangt.
Freiheit ist ein Grundpfeiler unserer liberalen Demokratie – doch was bedeutet es eigentlich, frei zu sein? Zwischen rechtsstaatlichen Schranken, ökonomischen Zwängen und sozialen Erwartungen zeigte sich: Freiheit ist kein Zustand, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Aushandlung.
Historisch wie ökonomisch ist Freiheit ein facettenreicher Begriff. Oft nehmen wir sie für selbstverständlich und vergessen dabei, dass Freiheit ein Privileg ist, das gepflegt werden muss. In ihrem historisch-ökonomischen Impulsreferat gingen IHZ-Direktor Adrian Derungs und Christoph Hauser, Ökonom und Leiter CC Management & Law der Hochschule Luzern – Wirtschaft auf diese unterschiedlichen Aspekte des Freiheitsbegriffs ein.
Positive und negative Freiheit
In der Theorie unterscheidet man zwischen negativer und positiver Freiheit. Negative Freiheit beschreibt die Abwesenheit von Zwang, etwa durch Staat oder Unternehmen. Positive Freiheit hingegen geht weiter und schliesst auch die Fähigkeit ein, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Das setzt Zugang zu Bildung, Chancen am Arbeitsmarkt und politische Teilhabe voraus.
Effiziente freie Märkte und die Grenzen der Freiheit
Ökonomisch betrachtet ist Freiheit eng mit dem Effizienzbegriff und dem Ideal der freien Marktwirtschaft verbunden. Die Volkswirtschaft lehrt uns, dass Märkte nur dann fair und effizient funktionieren, wenn Eigentumsrechte gesichert, Monopole verhindert und externe Effekte berücksichtigt werden. Die Freiheit ist folglich nicht grenzenlos oder absolut, sondern kennt Grenzen und muss geschützt werden. Auf rechtlicher Ebene wird die Freiheit beispielsweise durch die Menschenrechte geschützt. Auch in der Schweizer Bundesverfassung wird die Freiheit explizit erwähnt, unter anderem in den Artikeln zur Wirtschaftsfreiheit und der freien Berufswahl.
Schliesslich wirkt Freiheit nicht ausnahmslos positiv. Zu viele Wahlmöglichkeiten können überfordern, wie Adrian Derungs und Christoph Hauser anhand eines empirischen Experiments mit Konfitüren illustrieren: «36 Sorten empfanden die Probanden als Freiheits-Overkill, sechs Sorten sind ideal.» Frei sein bedeutet also nicht, gänzlich uneingeschränkt zu handeln, sondern die eigenen Möglichkeiten bewusst zu nutzen, ohne die Grenzen der Freiheit anderer zu überschreiten.
Key Take-Away
- Freiheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der gesellschaftlich, politisch und persönlich immer wieder neu ausgehandelt werden muss.
- Positive Freiheit bedeutet die Möglichkeit zur Selbstbestimmung und Entfaltung, negative Freiheit beschränkt sich auf das Fehlen eines äusseren Zwangs.
- Es gibt auch einen Overkill an Freiheit: Zu viele Wahlmöglichkeiten können überfordern.
Referenten
- Adrian Derungs, Direktor IHZ
- Christoph Hauser, Ökonom und Leiter CC Management & Law der Hochschule Luzern – Wirtschaft
Publikation «Spezial» zum 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)


