
Rückblick 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Inputreferate und Diskussion
Freiheit zwischen Sozialpartnerschaft, Teilzeitarbeit und internationaler Wettbewerbsfähigkeit
Wie unterschiedlich Freiheit verstanden wird – zwischen Sozialpartnerschaft, Unternehmertum und den Herausforderungen durch Regulierung.
Was bedeutet Freiheit für uns in der (Zentral-)Schweiz? Themen wie direkte Demokratie, liberaler Arbeitsmarkt und unternehmerische Spielräume wurden kontrovers diskutiert. Freiheit ist kein Selbstläufer – sie verlangt Verantwortung, Balance und kluge Rahmenbedingungen, um auch in Zukunft bestehen zu können.
Zwei konträre Inputreferate wurden der Diskussion im Plenum vorangestellt. Zuerst erhielt Sekretariatsleiter und Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Daniel Lampart, das Wort und erklärte, dass der Freiheitsbegriff in der Schweiz geprägt sei durch unsere direkte Demokratie und den Föderalismus. Auch der Arbeitsmarkt sei Ausdruck liberaler Tradition, solange Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam Tarife aushandeln. Staatliche Eingriffe hingegen schwächen aus seiner Sicht die Sozialpartnerschaft. «Selbstorganisation ist die wichtigste Form der Freiheit », betonte Lampart. Doch er warnte davor, Freiheit mit grenzenloser Selbstverwirklichung oder gar Egoismus gleichzusetzen: Wer nur auf eigene Vorteile aus ist, riskiert am Ende weniger, und nicht mehr Freiheit. Nur durch gemeinsame Lösungen könne das volle Potenzial der Sozialpartnerschaft ausgeschöpft werden.
Unternehmerische Freiheit als Erfolgsfaktor
Nach der Auslegeordnung aus Gewerkschaftssicht folgte das zweite Inputreferat aus Arbeitgeberperspektive durch Severin Moser, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands. Moser unterstrich die Bedeutung unternehmerischer Freiräume als Grundpfeiler der Schweizer Wirtschaft. Nur dank flexibler Märkte könne sich die Schweiz als kleine Volkswirtschaft ohne namhafte Ressourcen international behaupten. Staatliche Eingriffe sollten sich auf das Ausgleichen von Marktversagen beschränken, weitergehende Vorschriften oder höhere Abgaben seien kontraproduktiv. Mit Blick auf die Finanzpolitik warnte der Arbeitgeberpräsident vor gefährlichen Fehlanreizen, deren Konsequenzen erst mittelfristig ersichtlich werden: Die 13. AHV-Rente könne dazu führen, dass die Mittel für Investitionen in anderen, zukunftsrelevanten Bereichen wie Bildung oder Sicherheit fehlten. Freiheit bedeute für ihn auch Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden, Gesellschaft und kommenden Generationen. Unser duales Schweizer Bildungssystem und die Personenfreizügigkeit sieht Severin Moser als wichtige Schlüssel, um dem demographisch bedingten Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Zwischen Bürokratie und Verantwortung
In der anschliessenden Diskussion mit drei Wirtschaftsvertretern zeigte sich ein breites Spannungsfeld. Helmut Ruhl, CEO der AMAG Group AG, wies darauf hin, dass die ambitionierten Klimaziele wie das EU-Verbot von Verbrennern nur dann realistisch seien, wenn auch die nötige Infrastruktur bereitstehe. «Elektroautos bringen wir auf die Strasse. Doch bei der Ladeinfrastruktur braucht es den Staat, der mitzieht», erklärte er. Martin Schwab, CEO der CKW AG, kritisierte die wachsende Last durch Berichtspflichten. Statt CO2 zu reduzieren, verbringe sein Nachhaltigkeitsteam viel Zeit mit Reporting, das sei frustrierend. Markus Bucher, CEO der Pilatus Flugzeugwerke AG, ergänzte die Diskussion mit der Sichtweise eines international ausgerichteten Zentralschweizer Unternehmens. Insbesondere Unternehmen mit hohem Exportanteil sehen sich mit zunehmenden bürokratischen Anforderungen aus dem Ausland konfrontiert. Der Bürokratieaufwand frisst Zeit, die in der Schweiz besonders wertvoll und teuer ist. Bucher wies auf ein weiteres Paradox hin, das ihn beschäftigt: Hochausgebildete Fachkräfte arbeiteten oft nur Teilzeit, dadurch fehlen den Unternehmen wichtige Fachkräfte. «Im Moment können wir uns das leisten, aber irgendwann frisst es unseren Wohlstand auf», warnte er.
Key Take-Away
- Freiheit entsteht aus Gewerkschaftssicht durch Selbstorganisation und Sozialpartnerschaft. Staatliche Eingriffe schwächen dieses Modell, gemeinsame Lösungen stärken es.
- Aus Arbeitgebersicht ist unternehmerische Freiheit ein zentraler Standortfaktor, der durch sinnvolle Regulierungen gestärkt, und nicht geschwächt werden soll.
- Zur Erreichung der Klimaziele sind sowohl Private wie auch der Staat gefordert: Es braucht Kooperation bei der Infrastruktur und funktionierende staatliche Rahmenbedingungen.
- Bürokratie kann unternehmerische Freiheit untergraben. Nachhaltigkeitsbemühungen sollten tatsächlich eine CO2-Reduktion bewirken, statt in Berichtspflichten zu versanden.
- Der teils hausgemachte Fachkräftemangel und internationale Anforderungen gefährden die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit.
Referenten
- Daniel Lampart, Sekretariatsleiter Schweizerischer Gewerkschaftsbund
- Severin Moser, Präsident Schweizerischer Arbeitgeberverband
Anschliessende Diskussion:
- Markus Bucher, CEO Pilatus Flugzeugwerke AG
- Helmut Ruhl, CEO AMAG Group AG
- Martin Schwab, CEO CKW AG
- Moderation: Thomas Odermatt, Leiter Kommunikation IHZ
Publikation «Spezial» zum 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)


