
Rückblick 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: World Café
Autonomie braucht Regeln: von Freiheit, Führung und Fehlerkultur
Autonomie ist eine Ressource, die enormes Potenzial entfalten kann, wenn sie richtig gemanagt wird.
Im interaktiven World Café diskutierten die Teilnehmenden, wie Freiheit im Unternehmenskontext gelebt werden kann. Wenn Autonomie im Unternehmen richtig dosiert zugelassen wird, kann sie eine beeindruckende Kraft entwickeln. Damit das gelingt, bedarf es klarer Regeln, Leitplanken und Grundwerte im Unternehmen, die in der Unternehmenskultur verankert sind und im Alltag gelebt werden.
Als Einstimmung zum World Café gab Moana Monnier, Dozentin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, einen Einblick in aktuelle Befunde aus der Forschung: Autonomie fördert das Arbeitsengagement, die Motivation, Innovation sowie die psychische Gesundheit. Allerdings kann sich ein Zuviel an Autonomie auch erschöpfend auswirken und in Kombination mit fehlendem Leistungsdruck nimmt die Arbeitsproduktivität sogar ab.
Werte als Leitplanken der Freiheit
Im Anschluss diskutierten rund 65 Teilnehmende an sechs Tischen ihre Praxiserfahrungen im Umgang mit Freiheit im Unternehmen. Dabei wurde deutlich: Freiheit verlangt Rahmenbedingungen. Die meisten der anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer haben Werte oder Prinzipien etabliert. «Werte sind entwickelbar, aber nicht verhandelbar», lautete eine der Grunderkenntnisse aus dem World Café. Die Unternehmenswerte müssen von den Führungsverantwortlichen im Alltag vorgelebt werden, mit einem schönen Plakat oder einem Werteflyer ist es nicht getan.
Freiheit im Unternehmen verantwortungsvoll managen
Verantwortung war generell ein wichtiges Stichwort, das im Zusammenhang mit Freiheit und Führung oft genannt wurde: Führungskräfte tragen Verantwortung, dass die Leistungskultur nicht toxisch wird. Und Mitarbeitenden sind nur dann bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn auch Fehler erlaubt sind. Am Beispiel der akademischen Forschung an der Hochschule Luzern – Wirtschaft wurde deutlich, wie befreiend eine gelebte und verankerte Fehlerkultur wirken kann: «In der Forschung werden 80% der Gesuche abgelehnt. Scheitern ist bei uns der Normalfall. » Es braucht den Mut, Fehler wegzustecken, vorwärtszuschauen und die Fähigkeit, denselben Fehler nicht zweimal zu begehen. «Auch Roger Federer hat 46% seiner Punkt verloren und wurde dennoch einer der weltbesten Tennisspieler aller Zeiten», warf einer der Teilnehmenden in der Diskussion ein und eröffnete damit einen erfrischenden Perspektivenwechsel auf erfolgreiches Scheitern und die vielzitierte Fehlerkultur.
Key Take-Away
- Autonomie im Arbeitskontext steigert Motivation, Engagement und Gesundheit – sie kann jedoch auch erschöpfen, wenn zu viele Entscheidungen verlangt werden.
- Werte geben Orientierung, wenn sie konsequent von Führungskräften vorgelebt werden. Sie geben der Freiheit einen sinnvollen Rahmen.
- Agile Organisationsformen erfordern klare Regeln für Verantwortung und Entscheidungsprozesse und bedingen eine Unternehmenskultur, die das zulässt.
- Strategien schaffen Freiheit, indem sie Entscheidungen nachvollziehbar machen: Wer Strategien richtig einsetzt, schafft Klarheit und Verbindlichkeit in den Entscheidungen.
Publikation «Spezial» zum 15. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)


