Rückblick 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Machen im Team

Rückblick 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Machen im Team

Zirkusdirektor und Dirigent: Verantwortung teilen, ohne sie abzugeben. Wie zwei Führungskräfte aus der Hotellerie und der Intensivmedizin mit Druck umgehen, Vertrauen aufbauen und Verantwortung im Team sinnvoll (ver-)teilen.

Chris K. Franzen und Felix Reichlin führen dort, wo die Erwartungen hoch und Fehler folgenschwer sind. Im Gespräch zeigten sie, wie sie den täglichen Druck aushalten und wann sie Verantwortung bewusst abgeben.

Für Felix Reichlin, ärztlicher Leiter der Intensivstation der Klinik St. Anna, beginnt geteilte Verantwortung mit Beobachtung. Neue Mitarbeitende in seinem Team beobachte er zuerst im Spitalalltag: Wie reagieren sie, wenn der Druck zunimmt? Chris K. Franzen, Managing Director des Bürgenstock Resort Lake Lucerne, kennt ähnliche Situationen, wenn auch ohne unmittelbare Lebensgefahr.

Diplomatische Konferenz als Stresstest
Im Juni war das Bürgenstock Resort Austragungsort des Lake Lucerne Summit, einer hochrangigen diplomatischen Konferenz mit fünf internationalen Delegationen – jede mit eigenen Anforderungen, eigenen Sonderwünschen und einem eigenen Sicherheitsdispositiv. Ob sich so etwas trainieren lasse, fragte Moderator Thomas Odermatt, Leiter Kommunikation der IHZ. Franzen verneinte: Die Erfahrung mit der Ukraine-Friedenskonferenz habe geholfen, ein Ausnahmezustand sei und bleibe es trotzdem. Zu stemmen sei dieser enorme Aufwand nur gewesen, weil erfahrene Mitarbeitende im Team selbstständig Verantwortung übernahmen.

Druck herausfiltern und wirksam aus Fehlern lernen
Führung bedeute für Chris K. Franzen auch, die Mitarbeitenden abzuschirmen: «Meine Aufgabe ist es, den Druck der Hotelbesitzer abzufangen, damit mein Team am Kunden arbeiten kann», sagte Franzen. Bei Reichlin komme der Druck häufig von den Angehörigen. Angehörigengespräche bedeuten für viele Ärztinnen und Ärzte eine tägliche Stresssituation: Hohe Erwartungen verbinden sich mit emotionaler Belastung zu einer äusserst anspruchsvollen Mischung.

In der Medizin gelte eine Nullfehlertoleranz, und trotzdem passierten Fehler. Entscheidend sei, dass die Organisation als Ganzes daraus lerne: «Wir müssen identifizieren, welche Faktoren im System diesen Fehler zugelassen haben.» Franzen teilte sein Motto «fail quickly»: Negatives Feedback sei besser als gar keines. Im Anschluss vertieften die Teilnehmenden gemeinsam Thesen zu Führung und Verantwortung an sechs Stationen.
 

Key Take-Away

  • Nur wer die Mitarbeitenden sehr gut kennt, kann als Führungskraft Verantwortung angemessen teilen und delegieren. 
  • Ausnahmesituationen lassen sich nicht vollständig simulieren. Im Krisenfall braucht es erfahrene Mitarbeitende im Team, die selbstständig entscheiden und Verantwortung übernehmen.
  • Führung heisst auch schützen: Es ist Aufgabe der Chefin oder des Chefs, den Druck herauszufiltern. Nur so kann das Team konzentriert arbeiten.
  • Auch bei Nullfehlertoleranz passieren Fehler. Entscheidend ist nicht die Suche nach Schuldigen, sondern die Frage, was in der Organisation diese Fehler zugelassen hat.

Referenten

  • Chris K. Franzen, Managing Director Bürgenstock Hotels AG
  • Felix Reichlin, Facharzt Intensivmedizin und Anästhesiologie FMH, Notarzt SGNOR
  • Moderation: Thomas Odermatt, Leiter Kommunikation IHZ

Publikation «Spezial» zum 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)

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