
Rückblick 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Schlussgespräch
Pragmatismus oder die Kunst lösungsfähig zu bleiben. Bundesrat Martin Pfister über Pragmatismus, politische Kompromisse und die Verantwortung, auch unter Unsicherheit zu entscheiden.
Pragmatismus bedeutet für Bundesrat Martin Pfister nicht, es sich einfach zu machen. Im Gespräch mit Michael Rauchenstein erklärte er, warum gute Politik Sachorientierung, Vertrauen und Kompromissfähigkeit braucht und weshalb Sicherheit die Grundlage für Freiheit bleibt.
Vom Zuger Regierungsrat zum Bundesrat: Martin Pfister, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, beschrieb seinen Wechsel nach Bern als Sprung in eine neue politische Kultur. Aus Zug kannte er schnelle, pragmatische und sachorientierte Entscheide. In Bern habe ihn überrascht, wie stark die omnipräsente Parteipolitik bisweilen von sachlichen Lösungen ablenke. Seine Haltung sei deshalb klar: Wenn sich etwas einfacher machen lasse, solle man es auch einfacher machen, ohne den Anspruch an die Qualität zu senken.
Entscheiden heisst auch Kompromisse eingehen
Für politische Entscheide brauche es aus Pfisters Sicht drei Dinge: ein Team, das zusammenarbeiten könne, eine saubere Analyse und den Instinkt, im richtigen Moment das Richtige zu tun. «Nicht alles lässt sich rein rational erfassen. Entscheidend sind der Gesamtblick und die Fähigkeit, einen Entscheid in den grösseren Kontext einzuordnen», so der Magistrat. Pragmatismus bedeute für ihn konsequente Sachorientierung. Gerade in der Exekutive müsse man Lösungen finden, selbst wenn diese nicht der eigenen Position entsprächen. «Die Grenze ist dort erreicht, wo ein Kompromiss der Sache nicht mehr diene. Man muss lösungsfähig bleiben», fasste Pfister seinen eigenen Kompass zusammen. Vertrauen spiele dabei eine zentrale Rolle: «Politik muss transparent sein, Resultate liefern und offen mit Fehlern umgehen.»
Sicherheit als Grundlage der Freiheit
Breiten Raum nahm die Sicherheitspolitik ein: Hybride Bedrohungen, der Krieg in Europa und die künftige Rolle der USA. Dabei betonte Pfister, dass die Schweiz in vielen Bereichen, beispielsweise im Cyberbereich, besser vorbereitet sei, als man gemeinhin denke. «Das ändert jedoch nichts daran, dass die Schweiz Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen und bestehende Lücken gezielt schliessen muss.» Besonderen Handlungsbedarf sah Pfister bei der Luftabwehr auf grössere Distanz, die er als Achillesferse der Schweiz bezeichnete. Sicherheit, so seine Botschaft, sei die Voraussetzung für persönliche Freiheit.
Key Take-Away
- Pragmatismus versteht Pfister als konsequente Sachorientierung: Gute politische Entscheide brauchen Teamarbeit, saubere Analysen, Instinkt und den Blick fürs Ganze.
- Politische Kompromisse sind unvermeidlich. Sie müssen der Sache dienen, damit die Politik auch bei entgegengesetzten Positionen lösungsfähig bleibt.
- Vertrauen entsteht durch Transparenz, gute Resultate und eine Kultur, die Fehler offen anspricht. Gerade in der Politik ist dieses Vertrauen von zentraler Bedeutung.
- Angesichts hybrider Bedrohungen und geopolitischer Unsicherheit gewinnt Sicherheit als Grundlage persönlicher Freiheit an Bedeutung.
- Besonderen Handlungsbedarf sieht Pfister bei der Luftabwehr auf grössere Distanz – er bezeichnete sie als Achillesferse der Schweizer Sicherheitsarchitektur.
Publikation «Spezial» zum 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)


