
Rückblick 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Unternehmertum im Dialog
Nicht perfekt, aber vorwärts. Fishbowl zur Frage: Wie gelingt erfolgreiches Unternehmertum, wenn Unsicherheit zum Alltag gehört?
Im Fishbowl-Format diskutierten Unternehmerinnen und Unternehmer, was es braucht, um Ideen trotz Unsicherheit, Widerständen und Fehlern voranzutreiben, und weshalb Führung dabei weniger mit Kontrolle als mit Vertrauen und Lernfähigkeit zu tun hat.
Das Gespräch begann mit drei mutigen Unternehmergeschichten: Sandra Imbach, CEO der Imbach & Cie AG, wechselte aus dem Anwaltsberuf ins Familienunternehmen. Stefan Hermann, CEO der milk & honey ag, wollte schon als Kind selbstständig werden. Und Aldo Lamberti, Managing Director des Technopark Luzern, gründete mitten in der Pandemie ein Start-up. Moderator Christoph Hauser, Ökonom und Leiter CC Management & Law an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, lenkte den Blick auf Mut, Fehlerkultur und Widerstände.
Fehler ja, aber nicht existenzielle
Mut zeigte sich in der Runde weniger im grossen Wurf als im Umgang mit Unsicherheit. Für Aldo Lamberti bedeute Mut, «Nein zu sagen» – etwa zu einem attraktiven Kunden, wenn dieser nicht zur Strategie passe. Im Technopark gehe es darum, junge Unternehmen nicht vor jedem Fehler zu bewahren, wohl aber vor den existenziellen. Sandra Imbach betonte klare Prozesse: «Fehler müssen erkannt und offen angesprochen werden. Entscheidend ist dann aber, wie wir als Führungskräfte darauf reagieren.» Stefan Hermann warnte vor der Schweizer «Ja-aber- Mentalität»: Wer sich hinter Komplexität verstecke, riskiere Stillstand.
Führung braucht Freiraum und Gespür für Tempo
Hermann erzählte von einem Mitarbeiter, den er zunächst für «nicht führbar» hielt. Erst als er Freiraum gab, funktionierte die Zusammenarbeit. Lamberti betonte den Wert externer Sparringspartner gegen die eigene Echokammer. Auch das Veränderungstempo wurde Thema. Mirjam Kessler von Geistlich Pharma AG fragte, woran man erkenne, dass ein Unternehmen «overpaced» sei. Der Konsens aus der Runde: Wenn die Basis nicht mehr versteht, was im Unternehmen läuft. Walter Capozzolo, CEO der BBT Software AG, schilderte die Beschleunigung durch KI: «In zwei Tagen hat ein Team ein nahezu fertiges Produkt entwickelt, für das früher Monate nötig gewesen wären.» Hermann sah darin eine Chance: «Je stärker Technologie zur Commodity wird, desto wichtiger werden menschliche Leistungen, Beziehungen und Interaktion.»
Key Take-Away
- Mut zeigt sich weniger im grossen Wurf als im Umgang mit Unsicherheit. Dazu gehört auch, «Nein» zu sagen – etwa zu einem Kunden, der nicht zur eigenen Strategie passt.
- Eine tragfähige Fehlerkultur braucht klare Prozesse. Probleme müssen intern erkannt und offen angesprochen werden. Entscheidend ist, wie Führungskräfte darauf reagieren.
- Wer sich hinter Komplexität und einer «Ja-aber»-Mentalität versteckt, riskiert Stillstand. Die Schweizer Zurückhaltung wird so zum eigentlichen Wachstumshemmnis.
- Führung braucht Freiraum. Mitarbeitende können ihre Stärken besser entfalten, wenn Führung loslässt und befähigt. Externe Sparringspartner helfen gegen die Echokammer.
- KI erhöht das Tempo massiv. Ein Warnsignal für ein «overpaced» Unternehmen ist, wenn die Basis nicht mehr versteht, was im Unternehmen läuft.
Referenten
- Stefan Hermann, CEO milk & honey AG
- Sandra Imbach, CEO Imbach & Cie AG
- Aldo Lamberti, Managing Director Technopark Luzern
- Moderation: Christoph Hauser, Ökonom und Leiter CC Management & Law Hochschule Luzern – Wirtschaft
Publikation «Spezial» zum 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)


