Rückblick 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Zukunft braucht Infrastruktur

Rückblick 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum: Zukunft braucht Infrastruktur

Wenn Bewilligen länger dauert als Bauen und wie die Zentralschweiz aus dem Reformstau kommen will: Weshalb Infrastrukturprojekte in der Schweiz immer länger dauern – und was sie wieder beschleunigen könnte.

Simone Haeberli, Fabian Peter und Matthias von Ah diskutierten unter der Leitung von SRF-Wirtschaftsredaktor Dario Pelosi, ob sich Infrastrukturprojekte überhaupt noch in vernünftiger Zeit umsetzen lassen.

Matthias von Ah, CEO der Gasser Felstechnik AG, attestierte der Schweiz eine qualitativ sehr gute Infrastruktur, schränkte aber ein: «Wir müssen uns bewusst sein: Die Infrastruktur ist am Anschlag. Das ist der Flaschenhals der Zukunft.» Ein weiterer Flaschenhals seien die Bewilligungsverfahren mit ihren zahlreichen involvierten Fachstellen. Von der ersten Idee bis zum Abschluss eines Steinschlagschutznetzes vergingen drei bis vier Jahre, und das nur, wenn die Finanzierung stehe und die benötigten Kapazitäten verfügbar seien.

Bauen wird zum Marathon
Fabian Peter, Regierungsrat und Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements des Kantons Luzern, sagte, man lebe von der Substanz früherer Generationen: Wasserkraft und Staudämme, Bahninfrastruktur, National- und Kantonsstrassen. Bestehendes lasse sich verbessern, neue Projekte aber seien ungleich schwerer zu realisieren: «Es ist ein Marathon, der fast nicht aufhört.»

Matthias von Ah warf mit einem Schmunzeln ein, dass es am schnellsten gehe, wenn die Steine bereits auf der Strasse lägen. Sei etwas dringend und akut, funktioniere eine Bewilligung innert Wochen statt in Jahren. Bei vorsorglichen Massnahmen fehle dieser Druck: Ob ein Schutznetz wirklich nötig sei, lasse sich beim Entscheid niemals mit Sicherheit sagen.

Digitale Behördengänge sollen Unternehmen entlasten
Simone Haeberli, Ressortleiterin KMU-Politik beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, setzte dort an, wo der Bund selbst Einfluss habe: bei der administrativen Entlastung. Über einen digitalen Behördenschalter sollen sich künftig 350 bis 400 Behördendienstleistungen zeit- und ortsunabhängig erledigen lassen. Einig war sich das Podium, dass Infrastruktur nicht nur ausgebaut, sondern intelligenter genutzt werden müsse. Menschen zu bestimmten Zeiten von Strasse und Schiene fernhalten zu wollen, sei nicht zielführend, sagte von Ah. Statt auf Zwang solle auf Lenkungsmassnahmen und kluge Anreizsysteme gesetzt werden, um die Spitzen zu glätten.
 

Key Take-Away

  • Die Schweizer Infrastruktur gilt als qualitativ sehr gut, ist aber am Anschlag. Infrastruktur wird zum Flaschenhals der kommenden Jahre.
  • Von der Idee bis zum Abschluss vergehen bei Infrastrukturprojekten oft mehrere Jahre. Verfahren lassen sich nur in Ausnahmefällen beschleunigen.
  • Die Schweiz lebt von der Substanz früherer Generationen. Bestehendes lässt sich verbessern, neue Projekte gleichen einem Marathon.
  • Statt auf Zwang setzt das Podium auf Lenkungsmassnahmen und Anreizsysteme, um Verkehrsspitzen zu glätten.
  • Ein digitaler Behördenschalter soll Unternehmen entlasten: 350 bis 400 Behördendienstleistungen sollen sich künftig zeit- und ortsunabhängig erledigen lassen.

Referenten

  • Simone Haeberli, Ressortleiterin KMU-Politik Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
  • Fabian Peter, Regierungsrat und Vorsteher Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement Kanton Luzern
  • Matthias von Ah, CEO Gasser Felstechnik AG
  • Moderation: Dario Pelosi, Wirtschaftsredaktor Radio SRF

Publikation «Spezial» zum 16. Zentralschweizer Wirtschaftsforum (PDF)

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