
Zentralinfo 01/2026 «vernetzt»: Editorial
Sie halten die aktuelle Ausgabe des «zentralinfo» zum Thema «vernetzt» in Ihren Händen. Sie sind persönlich in einer Form vernetzt mit der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ. Die Beiträge des Mitgliedermagazins stammen aus einem Netzwerk unterschiedlicher Akteure, die aus ihrer Perspektive das Thema «vernetzt» beleuchten. Die Erstellung der Artikel erfolgte dank der digitalen Vernetzung im Internet.
Vernetzung ist allgegenwärtig und erscheint uns oft als Selbstverständlichkeit. Sie ist eine zentrale Voraussetzung, dass sich die Menschheit entwickelt und Fortschritte erzielt. Doch weshalb vernetzen wir uns? Was sind die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Zusammenlebens? Was hält unsere Gesellschaft im Innersten zusammen? Diese Fragen beschäftigen die Menschheit seit Jahrhunderten. Ob Philosophen, Mathematiker, Physiker, Soziologen oder Theologen. Unzählige Menschen haben sich bereits den Kopf darüber zerbrochen. Die Antworten fallen entsprechend unterschiedlich aus. Sie bewegen sich in der Bandbreite zwischen Wissen und Glauben, je nach Perspektive des Absenders. Ein literarisches Symbol für den suchenden Menschen ist Doktor Faust. In Goethes über 200 Jahre altem Meisterwerk ist Faust getrieben vom Wunsch, das Netz zu verstehen, das die Welt verbindet.
Nach diversen Studien und Bemühungen bezeichnet sich Faust im bekannten Reim als «armer Tor», so klug als wie zuvor. Trotz jahrelangem Studieren und Suchen bleibt er rat- und rastlos. Er will Wahrheit, will Zusammenhänge erkennen, will verstehen, «was die Welt im Innersten zusammenhält». Als auch die Magie keine Antworten liefert, schliesst er zuletzt einen Pakt mit dem Teufel. Doch weder die Magie noch der Teufel bringen ihm verlässliche Erkenntnisse. Faust findet keine theoretische Antwort, was uns im Innersten zusammenhält. Stattdessen verschiebt er die Frage weg von der Theorie hin zur Erfahrung. Das heisst, was uns im Kern zusammenhält, lässt sich weder rein intellektuell erfassen noch mit allen Büchern der Welt erklären. Was uns im Innersten zusammenhält und vernetzt, liegt vielmehr im Tun, im Erleben und im Handeln.
Das passt zum Unternehmertum in unserer Region. Unternehmerisches Handeln vernetzt Menschen. Unternehmerisches Handeln bringt uns zusammen, schafft Beziehungen und Vertrauen. Unternehmerisches Handeln setzt Dinge in Bewegung. Es lohnt sich (noch), etwas zu tun, etwas zu unternehmen, aktiv zu handeln und das Heft in die Hand zu nehmen. Wir setzen uns als Wirtschaftsverband dafür ein, dass dies weiterhin möglich bleibt. Unsere Mitglieder wiederum verkörpern und leben diese Haltung im Alltag. Oder mit unserem Jahresmotto als Handlungsempfehlung für jeden Einzelnen auf den Punkt gebracht: «Mach’s eifach!»
Wir können und müssen nicht alles verstehen. Aber wir dürfen handeln – das ist unser Privileg und darin liegt unsere Freiheit. Statt eines Paktes mit dem Teufel hätte Goethes Faust vermutlich ein Ausflug in die Zentralschweiz auf die Sprünge geholfen.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Autor/Autorin:
Adrian Derungs, Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ
Zur Bildwelt des Magazins (Thema «vernetzt»):
Netzwerke sind Wunderwerke. Sie ergeben als Ganzes mehr als die Summe ihrer Einzelteile und entwickeln erstaunliche Fähigkeiten. Dass ganze Pilz-Netzwerke unter dem Boden miteinander kommunizieren oder auch kleinste Lichtteilchen miteinander verbunden sind, obwohl sie Millionen von Kilometern voneinander getrennt sind – das übersteigt dann unsere Vorstellungskraft. Genau solch überraschende Netzwerke illustriert die Bildreihe in dieser Zentralinfo-Ausgabe.


