
Zentralinfo 01/2026 «vernetzt»: Innovieren trotz Budgetdruck durch intelligente Vernetzung
Tausende studentische Forschungsarbeiten bleiben jedes Jahr ungenutzt, weil Studierende, Hochschulen und Unternehmen strukturell voneinander getrennt sind. Das HSG-Spin-off und ETH-Start-up Studyond setzt an dieser Schnittstelle an und macht dieses Innovationspotenzial für Unternehmen nutzbar.
Viele Unternehmen stehen heute vor einem strukturellen Dilemma. Der Innovationsdruck nimmt zu, Budgets und personelle Ressourcen werden enger. Neue Technologien müssen bewertet, Prozesse hinterfragt und Märkte verstanden werden. Genau dann jedoch fehlt oft die Kapazität, Innovationsvorhaben konsequent anzugehen. Innovation wird vertagt, nicht aus fehlendem Willen, sondern aus Zeitmangel. Es entsteht ein Innovationsstau.
Gleichzeitig existiert an Schweizer Hochschulen ein enormes, unausgeschöpftes Innovationspotenzial. Zur Einordnung: Jedes Jahr werden in der Schweiz knapp 100’000 studentische Forschungsarbeiten verfasst. Bei einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von sechs Monaten entspricht das 50’000 Arbeitsjahren hochqualifizierter Wissensarbeit – pro Jahr.
Ein grosser Teil dieses Wissens bleibt jedoch wirkungslos, da Studierende, Hochschulen und Unternehmen strukturell nur punktuell miteinander verbunden sind. Dabei wären die Interessen eigentlich komplementär. Unternehmen suchen Lösungen, Innovationskraft und junge Talente, während Studierende karriererelevante Themen und Herausforderungen suchen.
KI-gestützter Vernetzungsansatz
Studyond setzt genau hier an und ermöglicht es Unternehmen, konkrete Fragestellungen gemeinsam mit Studierenden und Hochschulen zu bearbeiten – strukturiert und ohne eine eigene Forschungsabteilung aufbauen zu müssen.
Die KI-gestützte Plattform funktioniert wie ein runder Tisch mit drei Stühlen: die Fragestellung eines Industrieexperten, Studierende mit den passenden fachlichen und methodischen Kompetenzen sowie eine geeignete Betreuungsperson an der Hochschule.
Entscheidend ist dabei nicht nur das Studienfach, sondern das tatsächliche Kompetenzprofil, der thematische Fit und der wissenschaftliche Anspruch. Studyond sorgt also dafür, dass die richtigen Personen zusammenfinden und Thesis- sowie Innovationsprojekte effizient aufgesetzt werden können.
Die Studyond-Plattform selbst ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis.
Praxisbeispiel: Stadler Rail
Lorena Frey, ETH-Studentin, fand über Studyond das Thema für ihre Bachelorarbeit von Stadler Rail. Sie untersuchte die Optimierung von Schweissnaht-Bewertungsmethoden mit dem Ziel, Prozesse effizienter und reproduzierbarer zu gestalten. Für Stadler entstand daraus eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage. Für Lorena Frey eröffnete das Projekt den Einstieg ins Unternehmen, wo sie heute als Werkstudentin tätig ist.
Aus der Wissenschaft, für die Praxis
Die Studyond-Plattform selbst ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Sie wurde im Rahmen eines Innosuisse-Forschungsprojekts gemeinsam mit der ETH Zürich, der Universität St. Gallen (HSG), der OST – Ostschweizer Fachhochschule und dem Schweizer Arbeitgeberverband als Umsetzungspartner entwickelt.
Diese breite, institutionelle Verankerung prägt den Vernetzungsansatz bis heute. Unternehmen erhalten erstmals mit einem Login hochschulübergreifend Zugang zu Studierenden und Forschenden aus über 1’680 Studiengängen an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen.
Der Name Studyond, abgeleitet von study und beyond, verkörpert die Vision des Konsortiums: studentische Forschung fördern, die über die Mauern von Hochschulen hinaus Wirkung entfaltet.
Autor/Autorin:
Philipp Wetzel, Ph.D., CEO Studyond AG
Zur Bildwelt des Magazins (Thema «vernetzt»):
Netzwerke sind Wunderwerke. Sie ergeben als Ganzes mehr als die Summe ihrer Einzelteile und entwickeln erstaunliche Fähigkeiten. Dass ganze Pilz-Netzwerke unter dem Boden miteinander kommunizieren oder auch kleinste Lichtteilchen miteinander verbunden sind, obwohl sie Millionen von Kilometern voneinander getrennt sind – das übersteigt dann unsere Vorstellungskraft. Genau solch überraschende Netzwerke illustriert die Bildreihe in dieser Zentralinfo-Ausgabe.


