
Zentralinfo 02/2025 «Raum»: Mit soziokratischer Führung Gestaltungsräume schaffen
Gestaltungsraum ist für uns mehr als ein Wort – er ist essenziell für eine moderne, resiliente Organisation. Vertrauen, Klarheit und Mitgestaltung prägen unsere Kultur. So entstehen Strukturen, die Innovation ermöglichen und kurze Entscheidungswege fördern.
Unsere Reise begann mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wachsende Projektkomplexität, dynamische Märkte und ein wachsendes Bedürfnis nach Mitbestimmung forderten uns heraus. Die gewohnte Entscheidungsfindung und das klassische Führungsmodell stiessen an ihre Grenzen. Wir setzten uns mit neuen Denkmodellen auseinander – und stiessen dabei auf Soziokratie 3.0 und Kollegiale Führung. Diese Modelle boten uns einen neuen Zugang zu den bestehenden Herausforderungen.
Soziokratie bedeutet für uns: Macht und Verantwortung werden geteilt – auf Basis klarer Strukturen und Prozesse. Das schafft Vertrauen, fördert Zusammenarbeit und intrinsische Motivation und macht uns anpassungsfähiger.
Entscheidungsfindung neu gedacht
Gestaltungsraum bedeutet im Kontext der Soziokratie, dass Mitarbeitende nicht nur eingebunden, sondern wirklich ermächtigt werden, ihre Expertise einzubringen. Entscheidungen werden bei uns nicht mehr von oben nach unten diktiert und auch nicht per Mehrheitsentscheid getroffen. Stattdessen werden Entscheidungen so lange verbessert, bis kein gravierender Einwand mehr besteht (Konsent).
Umgang mit Spannungen – vom Problem zum Impuls
Für uns war der Umgang mit Spannungen oder Problemen eine der grössten Änderungen in unserem Denken und Handeln. Spannungsgetriebenes Arbeiten bedeutet, bestehende Spannungen in Teams und der Organisation als wertvolle Entwicklungsimpulse zu erkennen und durch deren aktive Bearbeitung konkrete Verbesserungen abzuleiten oder Risiken zu minimieren.
Die Rolle der Führungskraft
Auch der Gestaltungsraum für mich als Führungskraft hat sich massgeblich geändert. Ich agiere nicht mehr als klassischer «Befehlsgeber» oder «Kontrolleur», sondern vielmehr als Moderator und Befähiger, der den Rahmen schafft, damit Teams eigenverantwortlich und effektiv arbeiten können. Für uns gilt: Führungskräfte gibt es weiterhin, aber nicht mehr vorgesetzt, exklusiv und unbefristet, sondern situativ. Jeder Mitarbeitende ist mehr oder weniger auch eine Führungskraft – als selbstverständlicher Teil der eigenen Arbeit (Definition gemäss Kollegialer Führung).
Was hat sich konkret positiv verändert?
- Schnellere, bessere Entscheidungen
- Mehr Verantwortungsbewusstsein und breiteres Mitwirken
- Höhere Anpassungsfähigkeit an Veränderungen
- Motivation und Innovationskraft
Was hat uns auf diesem Weg herausgefordert?
- Unsicherheit auszuhalten
- Der Wandel war finanziell und energetisch anspruchsvoll
- Verabschiedungen von langjährigen Mitarbeitenden
Wir bei internezzo haben diesen Schritt gewagt – und erleben täglich, wie sich die Organisationskultur verändert, wenn Vertrauen, Partizipation und klare Prozesse den Raum für Gestaltung öffnen.
Was wäre, wenn deine Organisation mehr Gestaltungsraum zulassen würde?
Interessiert an einem Austausch dazu? Dann nimm Kontakt mit uns auf. Wenn du mit mir persönlich sprechen möchtest, bin ich nach meinem Sabbatical ab September wieder erreichbar.
Autor
Daniel Bachmann, Inhaber internezzo AG
Zur Bildwelt des Magazins:
Ein Raum wird erst zum Raum, wenn er Grenzen hat. Auch der Wirtschaftsraum braucht Leitplanken. Nur die Natur hält sich nicht immer an die von uns vorgegebenen Räume und Grenzen. Sie findet immer einen Weg, sie zu überwinden. Räume sind dennoch wichtig und omnipräsent. Manchmal sichtbar, manchmal nur in unserer Vorstellung. Manchmal beengend, manchmal offen, mit Lücken. Wir haben sie eingefangen und festgehalten – mit der Bildreihe dieser zentralinfo-Ausgabe.


