Zentralinfo 02/2025 «Raum»: Wirtschaftsraum Zentralschweiz – Zwischen Stau und Standortwettbewerb

Zentralinfo 02/2025 «Raum»: Wirtschaftsraum Zentralschweiz – Zwischen Stau und Standortwettbewerb

Zentralschweizer Unternehmen leiden unter dem Fachkräftemangel, während Verkehrsprobleme die Situation zusätzlich verschärfen. Die bisherigen Infrastrukturmassnahmen stossen an ihre Grenzen – der Bypass Luzern könnte die dringend nötige Entlastung bringen.

Die Zentralschweiz ist weniger zentral gelegen, als ihr Name vermuten lässt. Lediglich der Kanton Zug, der Schwyzer Bezirk Höfe und die nördlichen Gemeinden des Kantons Luzern können von den bevölkerungsreichen Arbeitsmarktregionen Zürich und Mittelland profitieren. Denn Schweizerinnen und Schweizer wenden für einen Arbeitsweg durchschnittlich 30 Minuten auf. Das hat das Bundesamt für Statistik (BFS) 2022 errechnet. Nur acht Prozent nehmen dabei einen Zeitbedarf von über einer Stunde pro Arbeitsweg in Kauf. Für Unternehmen im Kanton Uri sind diese Grössen eine Herausforderung. Es überrascht daher nicht, dass neun von zehn Arbeitnehmenden von Urner Unternehmen im selben Kanton wohnen. Zum Vergleich: Im Kanton Zug sind es lediglich 47 Prozent.

Auch für Unternehmen in den Kantonen Nidwalden und Obwalden sind die Voraussetzungen ungünstig. In beiden Kantonen liegt die Anzahl an Erwerbspersonen nur leicht höher als die Anzahl Arbeitsstellen. Unternehmen sind deshalb gezwungen, besonders attraktiv zu sein. Rund 22 Prozent der Arbeitnehmenden müssen Obwaldner und Nidwaldner Unternehmen ausserhalb von Unterwalden rekrutieren.

Staus verschärfen den Fachkräftemangel

Das Ringen um Fachkräfte ist längst Tatsache. Aufgrund des demografischen Wandels kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Lage in den nächsten 20 Jahren entspannt. Die regelmässig prekäre Verkehrslage an der Verzweigung Rotsee vor Luzern und an der Verzweigung Lopper erschwert die Situation für Nidwaldner und Obwaldner Unternehmen zusätzlich. Das Bundesamt für Strassen (Astra) registrierte im Jahr 2023 während 756 Stunden Stau zwischen Buchrain und dem Rathausentunnel, 65 Stunden zwischen Stans und Stansstad, 133 Stunden zwischen Alpnach und Hergiswil NW und 246 Stunden zwischen dem Schlundtunnel und der Ausfahrt Horw. Im Sommer verschärft sich die Situation weiter. Zusammen mit dem Transitverkehr werden in den Sommermonaten durchschnittlich 20 Prozent mehr Fahrzeuge gezählt als im Winter. Regelmässig ist nicht nur die Autobahn, sondern aufgrund des Ausweichverkehrs auch das nachgelagerte Strassennetz blockiert.

Verkehrsoptimierung am Limit

Gemäss Astra sind alle Massnahmen zur Optimierung des Verkehrsflusses in der Region ausgeschöpft. Seit einigen Jahren wird bei grossem Verkehrsaufkommen der Pannenstreifen auf der A2 bei Hergiswil NW als Verkehrsspur freigegeben. Seit Anfang Dezember 2024 ist zudem eine Geschwindigkeitsharmonisierung als verkehrstechnische Massnahme aktiv, die im Februar 2025 mit einer Dosieranlage an Autobahneinfahrten ergänzt wurde. Auch im öffentlichen Verkehr stossen die Verkehrsträger an ihre Kapazitätsgrenzen, und die notwendige Kapazitätserweiterung mit dem Durchgangsbahnhof Luzern wird gegenwärtig verzögert.

Der Bypass Luzern als Hoffnungsträger

Das Autobahnprojekt Bypass Luzern würde die dringend benötigte Abhilfe schaffen. Mit der sogenannten Planungsgenehmigungsverfügung wurde dem Projekt bereits im Februar 2024 die Baubewilligung erteilt. Sieben Parteien haben gegen den Entscheid Beschwerde erhoben – darunter auch die Stadt Kriens, die Stadt Luzern und die Gemeinde Emmen. Aufgrund des Beschwerdeverfahrens geht das Astra derzeit von einem Baubeginn frühestens Mitte 2026 aus. Infrastrukturprojekte wie der Bypass Luzern sind zentral für die Zukunft der Zentralschweizer Wirtschaft. Ansonsten bleibt den spannenden und erfolgreichen Unternehmen nichts anderes übrig, als ausserhalb der Region zu wachsen.

Autor
Yves Spühler, Leiter Wirtschaftspolitik und Ökonomie IHZ

Zur Bildwelt des Magazins:
Ein Raum wird erst zum Raum, wenn er Grenzen hat. Auch der Wirtschaftsraum braucht Leitplanken. Nur die Natur hält sich nicht immer an die von uns vorgegebenen Räume und Grenzen. Sie findet immer einen Weg, sie zu überwinden. Räume sind dennoch wichtig und omnipräsent. Manchmal sichtbar, manchmal nur in unserer Vorstellung. Manchmal beengend, manchmal offen, mit Lücken. Wir haben sie eingefangen und festgehalten – mit der Bildreihe dieser zentralinfo-Ausgabe.

Kategorien

Ähnliche News