
Zentralinfo 02/2026 «Ressourcen»: Ressource Sicherheit: Grundlage von Freiheit und Wohlstand
Die Schweiz ist nicht aussen vor. Sicherheit ist eine strategische Ressource, für die wir Verantwortung übernehmen müssen.
Wenn Europa im Krieg ist
Was hat ein Krieg in Europa mit der Schweiz zu tun? Mehr, als uns lieb ist. Wenn Russland ein baltisches Land angreifen würde, wäre die NATO über Artikel 5 zur Unterstützung verpflichtet. Europäische Truppen würden an die Nordostflanke verlegt. Die Schweiz läge militärisch nicht an der Front, aber sie würde zum rückwärtigen Raum.
Die Ukraine zeigt, was dort geschieht: Angegriffen werden Elektrizitätswerke, Kommunikationswege, Logistik, Wasser- und Verkehrsversorgung. Genau solche Infrastrukturen hat auch die Schweiz. Und manche davon sind für ganz Europa von Bedeutung: der Stern von Laufenburg als Knoten des europäischen Stromverbunds, Nord-Süd-Transversalen, Datencenter, Glasfasernetze, Zahlungsverkehrs- und Telekommunikationssysteme.
Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist eine strategische Ressource und die Grundlage von Freiheit, Wohlstand und Stabilität.
Wenn am falschen Ort in der Schweiz etwas ausfällt, kann das Auswirkungen weit über unsere Landesgrenzen hinaus haben. Deshalb gilt: Was Europa gefährdet, gefährdet auch uns. Und deshalb müssen wir in der Lage sein, unsere Verantwortung wahrzunehmen und unser Land selber zu schützen.
Sicherheit als strategische Ressource
Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist eine strategische Ressource und die Grundlage von Freiheit, Wohlstand und Stabilität.
In den letzten 30 bis 40 Jahren haben wir in Europa von der sogenannten Friedensdividende profitiert. Seit dem Mauerfall wurden die Verteidigungsausgaben in unserem Land massiv reduziert. Heute geben wir rund 0,7 Prozent unseres Bruttoinlandprodukts für die Armee aus, so wenig wie kaum ein anderes Land in Europa. Gleichzeitig wurden Fähigkeiten abgebaut und Investitionen aufgeschoben. Die Folgen sind sichtbar: Wir können aktuell nur rund einen Drittel unserer Armee vollständig ausrüsten.
Gleichzeitig hat sich die Bedrohung verändert. Distanz schützt nicht mehr. Moderne Waffensysteme – von Marschflugkörpern bis zu ballistischen Lenkwaffen – überwinden geografische Grenzen in kürzester Zeit. Angriffe können aus grosser Entfernung erfolgen, ohne dass ein Gegner physisch an unserer Grenze steht. Das bedeutet: Die Schweiz ist nicht weit weg vom Geschehen. Sie ist erreichbar.
Hinzu kommen Bedrohungen, die bereits heute Realität sind. Cyberangriffe finden täglich statt. Staaten und nichtstaatliche Akteure versuchen, in Systeme einzudringen, Informationen zu stehlen oder Prozesse zu stören. Gleichzeitig nehmen der Einsatz von Drohnen und hybride Einflussnahme im Informationsraum zu.
Wie wir Sorge zur Ressource Sicherheit tragen
Unsere Sicherheit von morgen wird heute entschieden. Für die Armee bedeutet das: Das Rüstungsprogramm 2026 setzt klare Schwerpunkte: insbesondere auf die Abwehr von Bedrohungen aus der Distanz und auf hybride Bedrohungen. Hier müssen wir gezielt aufholen. Gleichzeitig geht es um Verantwortung gegenüber unseren Soldatinnen und Soldaten. Wer von ihnen verlangt, im Ernstfall für unser Land einzustehen, muss ihnen die Mittel geben, ihren Auftrag zu erfüllen.
Gemeinsame Verantwortung
Sicherheit geht uns alle an. Unser Milizsystem funktioniert nur, wenn alle ihren Beitrag leisten. Am Ende geht es um eine einfache Frage: Sind wir bereit, die Verantwortung für unsere Sicherheit zu tragen? Wenn ja, müssen wir jetzt handeln.
Autor/Autorin:
Korpskommandant Benedikt Roos
Zur Bildwelt des Magazins (Thema «Ressource»):
Die unendliche Vielfalt der Natur – Inspiration und Nahrungsquelle, vermeintlich grenzenlose Ressource, hier versiegt, dort wiedererwacht – und in berühmten Songzeilen auf der ganzen Welt besungen und verehrt – ein paar Beispiele finden Sie auf den Bildseiten dieser Ausgabe des Zentralinfo.

