
Zentralinfo 02/2026 «Ressourcen»: Ressourcen verwalten? Ressourcen erneuern!
Kennen Sie die These vom «Ressourcenfluch»? Diese besagt, dass rohstoffreiche Länder oft über geringes Wirtschaftswachstum verfügen, problematische Regierungssysteme und mehr Konflikte aufweisen als Staaten ohne bedeutende Ressourcen im Sinne von Rohstoffen.
Venezuela verfügt über riesige Erdölreserven. In der Demokratischen Republik Kongo finden sich grosse Kobaltvorräte. Nigeria ist der grösste Erdölproduzent Afrikas. Alle diese Staaten verfügen über bedeutende Ressourcen und kämpfen trotzdem mit Armut, Instabilität und struktureller Schwäche. Die Schweiz hingegen hat kaum Bodenschätze, keine grossen Öl- oder Gasreserven oder seltene Erden. Trotzdem gehören wir zu den wohlhabendsten und wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Das ist kein Zufall. Es ist ein Hinweis.
Das Wort «Ressource» stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie «sich wieder erheben» oder «sich erneuern». Nicht Vorrat. Nicht Verwalten. Nicht Konservieren. Sondern Erneuerungsfähigkeit. Dieser sprachliche Rückgriff ist mehr als nur eine Wortspielerei. Der Begriff «Ressource» weist uns an, nicht nur danach zu fragen, was wir haben. Sondern die entscheidende Frage lautet: «Was können wir daraus machen – immer wieder?»
Die Zentralschweiz hat diese Frage über Jahrzehnte richtig beantwortet. Nicht mit Rohstoffen, sondern mit unternehmerischer Kultur und dem Willen, Dinge anzupacken sowie mit pragmatischen Institutionen zu unterstützen. Unternehmen und Menschen, die sich schneller an sich verändernde Realitäten anpassen als jedes politische Konjunkturprogramm. Familienunternehmen, die Verantwortung langfristig denken.
Diese Stärken sind keine Selbstverständlichkeit. Sie erodieren zurzeit leise, aber vor unseren Augen. Fachkräfte fehlen. Wohn- und Gewerbeflächen werden knapp. Die Baubewilligungsverfahren für grosse Projekte dauern länger als Legislaturperioden. Die Regulierungsdichte wächst unaufhaltsam und mit hoher Geschwindigkeit, was den unternehmerischen Spielraum systematisch verengt. Wir sind zu blossen Verwaltern und Konsumenten unserer Ressourcen geworden. Mit dieser Mentalität verlieren wir unsere Ressourcen, anstatt sie zu erneuern.
Daher ist es wichtig, dass wir unsere Haltung gegenüber Ressourcen hinterfragen. Ressourcen entstehen – durch Unternehmertum, durch Freiheit, durch Kooperation, durch den Mut, Risiken einzugehen. Sie entstehen nicht durch Regulierung, Absicherung und den Irrglauben, das Bestehende liesse sich auf Dauer verwalten.
Wie beginnen wir endlich wieder, unsere Ressourcen zu erneuern?
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Autor/Autorin:
Adrian Derungs, IHZ-Direktor
Zur Bildwelt des Magazins (Thema «Ressource»):
Die unendliche Vielfalt der Natur – Inspiration und Nahrungsquelle, vermeintlich grenzenlose Ressource, hier versiegt, dort wiedererwacht – und in berühmten Songzeilen auf der ganzen Welt besungen und verehrt – ein paar Beispiele finden Sie auf den Bildseiten dieser Ausgabe des Zentralinfo.


