Zentralinfo 02/2026 «Ressourcen»: Subventionen als Ressource? Eine kritische Einordnung

Zentralinfo 02/2026 «Ressourcen»: Subventionen als Ressource? Eine kritische Einordnung

Subventionen klingen nach Zukunft. Innovation, Kultur, Standortförderung – wer wollte schon dagegen sein? Nur ist der Staat kein magischer Brunnen.

Jeder Subventionsfranken wurde zuerst von den vielen Steuerzahlern und Unternehmen erwirtschaftet, bevor er an die wenigen Empfänger verteilt wird. Deshalb reicht als Begründung nicht, dass ein Zweck sympathisch klingt, politisch in Mode ist oder dem eigenen Lager nützt. Wer Geld erhält, wird gegenüber jenen begünstigt, die nichts erhalten, aber mitzahlen. Eine Subvention muss volkswirtschaftlich Sinn ergeben: Sie sollte Marktversagen korrigieren, externe Effekte adressieren oder öffentliche Güter bereitstellen. Plakativ: Die Polizei schützt alle, in die Oper gehen wenige.

Milliarden ohne Überblick
Die Dimension ist gewaltig. 2025 beliefen sich allein die ausgabeseitigen Bundessubventionen auf 48,6 Milliarden Franken. Seit 2015 sind sie inflationsbereinigt um 9 Milliarden oder 28,8 Prozent gestiegen, bis 2028 sollen sie um weitere 2,6 Milliarden anwachsen. Dazu kommen einnahmeseitige Subventionen wie Steuervergünstigungen. Zu deren wohl milliardenschwerer Höhe hat der Bund seit über einem Jahrzehnt aber nicht mal eine Schätzung angestrengt.

Bisher wusste niemand ausserhalb von ein paar Büros in der Bundesverwaltung, wer genau hinter den Milliardenzahlungen steht, bei wem also wie viel Steuergeld auf dem Konto landet. Erstmals hat unser Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) nun die Erstempfänger der Bundessubventionen recherchiert und Transparenz geschaffen. Insgesamt 22’558 Zahlungen konnten identifiziert werden.

Erklärungsbedürftige Einzelfälle
Manch grosse Empfänger wie die ETH oder SBB sind wenig überraschend. Bei anderen Zahlungen schaut man zweimal hin. 132’000 Franken hat etwa die Milchjugend, eine «Organisation für lesbische, schwule, bi, aro-ace, trans und intergeschlechtliche Jugendliche und für alle dazwischen und ausserhalb», für Kinder- und Jugendförderung erhalten. Der Weltkonzern Nestlé bekam 72’000 Franken für Migrationszusammenarbeit. 707’000 Franken gingen an die feministische Friedensorganisation frieda, u.a. zur Expansion in die Romandie. Der eritreische Medienbund in der Schweiz freute sich über insgesamt 58’000 Franken. Einer Golden Mainland Limited in Ghana wurden 938’000 Franken überwiesen. Dem Ölkonzern Tamoil wurden Ausgaben für technische Infrastruktur erstattet, die Schildkröten-Interessensgemeinschaft hat Staatsgelder für ihre Mitgliedszeitschrift bekommen, und die Swiss Game Developers Association hat 106’000 Franken zum Thema Radikalisierung verbucht. Das ist nicht automatisch falsch. Aber es braucht Transparenz, um es demokratisch diskutieren zu können.

Eine Subvention muss volkswirtschaftlich Sinn ergeben: Sie sollte Marktversagen korrigieren, externe Effekte adressieren oder öffentliche Güter bereitstellen.

Warum Subventionen so schwer abzubauen sind
Der US-Ökonom Mancur Olson hat erklärt, weshalb solche Systeme zäh sind: Kleine Gruppen mit konzentriertem Nutzen organisieren sich leichter als grosse Gruppen mit diffusen Kosten. Bei Kürzungen von Direktzahlungen fahren Traktoren vors Bundeshaus. Eine Gegendemonstration zustimmender Steuerzahler habe ich noch nie gesehen. Für den einzelnen Zahler lohnt sich Widerstand kaum, für den Empfänger Lobbying sehr wohl. So entsteht Rent-Seeking: Ressourcen fliessen nicht in bessere Produkte, tiefere Preise oder höhere Produktivität, sondern in den Zugang zu staatlichen Transfers.

Es zeigt sich: Der Bund muss zur Konsolidierung nicht Steuern erhöhen. Eine Subventionsreform könnte stattdessen unwirksame, verzerrende und schlecht begründete Zahlungen abbauen. Das ist unbequem und erfordert Priorisierung – ein «need to have» statt «nice to have». Das sollten wir den Entscheidungsträgern aber zumuten dürfen.

Autor/Autorin:
Dr. Martin Mosler, Bereichsleiter für Fiskalpolitik, Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern

Zur Bildwelt des Magazins (Thema «Ressource»):
Die unendliche Vielfalt der Natur – Inspiration und Nahrungsquelle, vermeintlich grenzenlose Ressource, hier versiegt, dort wiedererwacht – und in berühmten Songzeilen auf der ganzen Welt besungen und verehrt – ein paar Beispiele finden Sie auf den Bildseiten dieser Ausgabe des Zentralinfo.

Kategorien

Ähnliche News