
Zentralinfo 04/2025 «Vorbilder»: «Leute mit einem gewissen Chrampfer-Gen beeindrucken mich»
Als Joel Wicki 2022 in Pratteln Schwingerkönig wurde, katapultierte ihn das endgültig ins Rampenlicht. Im Interview sagt er, wer seine Vorbilder sind und einst waren – und für wen er eines sein möchte.
Joel Wicki, Thema dieses Magazins ist das «Vorbild». Inwiefern glauben Sie, eines zu sein?
Eigentlich müssten Sie diese Frage jenen stellen, die mich zum Vorbild genommen haben (schmunzelt). Wenn man Schwingerkönig geworden ist, gibt es sicher verschiedene Aspekte, die einen zum Vorbild werden lassen. Der Weg zum König ist nicht einfach, er ist mit viel Training, Einsatz und auch einmal Verzicht verbunden. Ich beispielsweise hatte die Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker schon abgeschlossen und stand in der zweiten Ausbildung zum Landwirt und wurde dann König – dieses Engagement in Sport und Beruf hat sicher einigen gefallen.
Für wen sind Sie ein Vorbild – und für wen möchten Sie eines sein?
Sicher möchte ich für die Jungen eines sein. Sie sind die Zukunft unseres Sports. Bei Autogrammstunden oder an Nachwuchsanlässen wird mir jeweils schon klar, dass ich beim einen oder anderen etwas hinterlassen habe. Für einmal ist da meine Körpergrösse sicher ein Vorteil: Die Jungschwinger sehen, dass man mit der richtigen Einstellung und viel Fleiss auch mit 1,83 m ein Grosser werden kann, dass nicht alle zwei Meter gross werden müssen. Und gerade beim Nachwuchs ist es ja wichtig, dass er von Anfang an die Grundwerte des Schwingens verinnerlicht.
Wie gehen Sie mit Ihrer Vorbildrolle um?
Man muss sich einfach immer bewusst sein, dass man in der Öffentlichkeit steht, zwar nicht gerade beobachtet, aber doch beachtet wird. Da habe ich nicht nur auf dem Schwingplatz eine gewisse Verantwortung, sondern auch ganz allgemein im Alltag. Aber es ist für mich nicht so, dass ich mich verstellen oder eben eine Rolle spielen müsste – ich bin einfach, wie ich bin.
Sie stehen nicht erst seit Ihrem Königstitel im Rampenlicht, wie hat sich die Rolle in den vergangenen Jahren verändert?
Zuerst war es sicher so, dass ich vor allem in meiner Heimatregion Sörenberg präsent war, das änderte sich mit dem Titel 2022. Schon vorher aber habe ich bei all den Menschenmengen an kantonalen und Teilverbandsfesten begriffen, welche Bedeutung das Schwingen bekommen hat. Zudem ist Social Media immer wichtiger geworden, das auch ich ziemlich rege nutze.
Welche Werte sind Ihnen wichtig, und welche des Schwingsports möchten Sie transportieren?
Demut ist die wichtigste Voraussetzung für Erfolg – ob im Sport oder im Beruf. Und natürlich möchte ich so bodenständig und bescheiden bleiben, wie ich es seit je bin. Damit bin ich immer gut gefahren. Und die beiden wichtigsten Eckpfeiler des Schwingens sind die Fairness und Kollegialität – damit das so bleibt, müssen wir zu ihnen unbedingt Sorge tragen.
Bevor Sie selber zu einem Vorbild wurden, hatten Sie sicher auch eines – oder gibt es heute andere Menschen, die Sie beeindrucken?
Ich hatte nicht einen Schwinger, zu dem ich aufschaute. Mir imponierte beim einen dies, beim andern das, die Zielstrebigkeit, die Entschlossenheit, der Fokus, der Einsatz. Generell ist es sicher so, dass mich Leute mit einem gewissen Chrampfer-Gen beeindrucken – egal, in welcher Sparte. Die Arbeit bringt einen weiter, nicht umsonst heisst es bei uns Schwingern: «Manne, a d’Arbet!»
Zur Bildwelt des Magazins (Thema «Vorbilder»):
Nachahmung oder Imitation ist eine Fähigkeit. Auch in der wissenschaftlichen Forschung nimmt man gerne die Natur und Tierwelt zum Vorbild und versucht sie für den eigenen Nutzen und Fortschritt nachzuahmen – mit mehr oder weniger Erfolg. «Bionik» nennt sich eine dieser neueren Disziplinen, welche die Funktionsweisen der Natur auf künstlich hergestellte Materialien überträgt. Diese und einige andere überraschende Vorbilder aus der Natur und Tierwelt zeigt die Bildreihe in dieser Ausgabe des Zentralinfo.


